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Der Bund, 07.02.2005 

  

Die UBS startet im Kunst-Olymp

 

Das umgebaute Museum of Modern Art zeigt als erste Wechselausstellung 64 Werke aus der UBS Art Collection.

 

Buchstäblich nebenher ist die grösste SchweizerBank zum Herzstück ihrer Kunstsammlung gekommen: Die Einverleibung einer amerikanischen Privatbank bescherte der UBS zeitgenössische Kunst von grossen Namen. Ein Lehrstück über Zufälle und wie man solche geschickt nutzt.

    

Nach dem Publikumserfolg der Tutanchamun-Ausstellung, die die UBS als Hauptsponsorin massgeblich mitgeprägt hat, kommt die grösste Schweizer Banknun definitiv auf den Kunstgeschmack. Sie ist im Besitz namhafter amerikanischer und deutscher Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die ihr durch glückliche Fügung zugefallen ist. Als die UBS im Jahr 2000 das amerikanische Geldhaus PaineWebber schluckte, fiel ihr als Beigabe auch eine respektable Kunstsammlung zu. Zusammengetragen wurde sie während drei Jahrzehnten mit grossem persönlichem Engagement und Sachverstand von Donald B. Marron, dem obersten Chef von PaineWebber.

  

Zwecks Verschönerung ihrer Büros und Erquickung ihrer Mitarbeiter haben auch die 1998 zur UBS fusionierten Firmen Bankverein und Bankgesellschaft fleissig Kunst gesammelt. Deshalb besitzt die UBS jetzt mitsamt der Sammlung von PaineWebber rund 35 000 Arbeiten. Der Löwenanteil ist zweit und drittklassige Bürokunst. Eine Triage war deshalb laut UBS Kunstmanagerin Petra Arends dringend nötig. Zur UBS Art Collection erkoren wurden rund 900 Werke, 700 davon stammen aus der PaineWebber Collection. Gemäss Schätzungen der Agentur Bloomberg beträgt der Gesamtwert der UBS Art Collection etwa 150 Millionen Dollar.

  

Türöffner ins MoMA

Doch damit nicht genug: Die UBS Art Collection hat mit dem PaineWebber Boss und Kunstsammler Donald B. Marron einen Türöffner in die höchsten Kunstgefilde gefunden. Der schöne Zufall will es, dass dieser distinguierte Herr seit 1975 zu den grössten Förderern des Museum of Modern Art (MoMA) gehört, das die exklusivste und umfangreichste Moderne-Sammlung der Welt beherbergt.

  

Diesem seit vergangenem November wieder eröffneten und für unglaubliche 858 Millionen Dollar umgebauten Haus der Superlative ist Donald B. Marron also sehr zugetan. So erstaunt es nicht, dass er, der heute im Vorstand des MoMA sitzt, schon lange den Wunsch hegte, die PaineWebber Collection in ebendiesem Museum zu präsentieren. 1992, sechs Jahre vor der fusionierten UBS, gab es eine erste Schenkung aus der PaineWebber Collection ans Moma. Als sich die UBS schliesslich anschickte, die amerikanische Privatbank zu schlucken, waren weitere Versprechen gemacht: Das MoMa, so kam man überein, dürfe sich (inklusive der schon erfolgten Schenkung) 44 Werke aussuchen und zum Präsent machen. Im Gegenzug verpflichte sich das Museum zu einer Ausstellung dieser Neuzugänge und der Collection.

  

Grünes Licht von Marcel Ospel

So weit war alles eingefädelt, allerdings noch nichts schriftlich fixiert, als PaineWebber im Jahr 2000 kein selbständiges Unternehmen mehr war, sondern in der UBS aufging. Damit wechselte auch die Sammlung den Besitzer, und die geschmiedeten Pläne standen plötzlich auf wackligen Füssen. Donald B. Marron, so erzählt er in einem im Ausstellungskatalog abgedruckten Interview mit dem MoMA Direktor Glenn D. Lowry, wurde beim damaligen UBS Chef Marcel Ospel vorstellig und bekam gemäss eigener Aussage sofort grünes Licht. Ein Versprechen, so soll Ospel geantwortet haben, müsse man halten.

  

Die gebratenen Tauben flogen der UBS sprichwörtlich in den Schlund, doch schlucken mochten die Delikatesse nicht alle Entscheidungsträger auf Anhieb. Die einen plädierten für den Verkauf der Sammlung. Die anderen erkannten die Chance, das Image der Bank aufzupolieren - die PaineWebber Collection heisst jetzt UBS Art Collection - und den Wert der Sammlung zu steigern, falls sie tatsächlich in den besten Museen dieser Welt Station macht. Die erste öffentliche Bühne ist das neue MoMa in New York - die UBS, so darf man konstatieren, startet also direkt im Kunst-Olymp.

  

Eindrucksvolle Künstlerliste

Zu sehen sind in dieser kompakten, sorgfältig eingerichteten Schau 64 Werke (hauptsachlich Gemälde, aber auch Fotografien, Zeichnungen und handliche Installationen), die allesamt aus der PaineWebber Collection stammen. Ein grosser Künstlername reiht sich an den nächsten, angefangen bei Robert Rauschenberg, Claes Oldenburg, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Andy Warhol und Cy Twombly über Donald Judd, Bruce Naumann, Neo Rauch und Chuck Close bis zu Andreas Gursky, Thomas Struth und Damien Hirst. Erstaunlich zahlreich sind renommierte Künstlerinnen vertreten Jenny Holzer, Sarah Morris, Cindy Sherman, Laurie Simmons, Kiki Smith oder Susan Rothenberg, die mit ihrem raumgreifenden sechsteiligen Werk die Bewegungen eines tanzenden Paares in neoimpressionistischer Manier wiedergibt.

  

Zunächst ist man restlos beeindrucktvon der Künstlerliste; beim genauen Hinschauen hingegen stellt man bald fest, dass hier nicht ausschliesslich absolute Spitzenwerke der jeweiligen Stars versammelt sind. Mit «Right artists, wrong works» beschreibt ein Sammler auf dem Flug von New York nach Zürich sein Unbehagen. Hält man sich allerdings den Sammlungszweck vor Augen - die Räumlichkeiten einer Bank zu schmücken zum Gefallen einer betuchten Kundschaft und der Angestellten -, so muss man dem Kunstsinn von Donald B. Marron Anerkennung zollen. Und der UBS zu ihrem geschickten Griff gratulieren.

  

[i] Die Ausstellung «Contemporary Voices: Works from The UBS Art Collection» im MoMA in New York dauert bis zum 25. April. Katalog, 264 Seiten. Das sog. Webmuseum gibt unter www.ubs.com/artcollection Einblick in die Sammlung.

  

Führungsteam

Das Führungsteam der UBS Art Collection besteht aus einem «Advisory Board», einem Kurator sowie einer Managerin. Mitglieder des Advisory Board sind Yoshiko Mori (Japan), Jean-Christophe Ammann (Schweiz), Donald B. Marron (USA) und Patricia Phelps de Cisneros (Venezuela). Sie machen Vorschläge über An- und Verkäufe von Werken. Als Kurator amtet Matthias Winzen. Er ist Direktor der Staatlichen Kunsthalle in Baden-Baden sowie Professor für Kunstgeschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und an der Kunsthochschule Kassel. Petra Arends ist vollamtlich als Managerin der Sammlung tätig. (sl)

 

von Sandra Leis, New York

 

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