SitemapContact
         
 

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2005

  

Bankenkauf mit Kunst Gewinn

 

Die Schweizer UBS ködert Kunden im Museum / Das Bilder-Erbe von PaineWebber ist befristet

 

BASEL, 1. Dezember. Das große Geld machen Schweizer Banken in Zürich. Doch wenn sie ihre Kunstwerke öffentlich zeigen, tun sie dies lieber in Basel. Denn diese Stadt am Rheinknie - berühmt für ihre Buchdrucker und Humanisten - hat neben dem Geschäft stets auch etwas für den Geist getan. Das sieht man heute an den vielen Museen und auch an der Basler "Art", eine der berühmtesten Kunstmessen der Welt. Basel ist auch die einzige Stadt in der Welt, in der jemals das Volk in einem Referendum über einen Bilderkauf für ein Museum befinden mußte. Die Basler stimmten zu.  

 

Der geistigen Anziehungskraft dieser Stadt kann selbst die Großbank UBS nicht widerstehen, die mit 900 Werken eine der größten Firmensammlungen moderner Kunst besitzt: Sie zeigt ihre schönsten Schätze nun erstmals in Europa außerhalb ihrer Büros. Sie tut dies aber nicht etwa in der Stadt der Gnomen, also in Zürich, sondern in Basel. Zürcher Spotter behaupten zwar, das liege vor allem daran, daß UBS-Präsident Marcel Ospel ein Basler ist. Doch der Manager lebt inzwischen steueroptimierend im Kanton Schwyz. Mit dem Umzug sparte der Großverdiener Millionen.

 
Die Großbank beweist nicht nur, daß Geld sich immer häufiger mit Geist zu schmücken sucht, sie belegt auch, daß Fusionen und Firmenkäufe mitunter neben dem finanziellen auch kulturellen Gewinn bringen. Die UBS war - nachdem 1997 der Zusammenschluß von Bankgesellschaft und Bankverein vollzogen und das gemeinsame Bildersortiment zusammengelegt worden war - nur eine sehr vorsichtige Firmenkäuferin. Sie machte in Amerika nur einen Großeinkauf in der Hochphase der Aktienmärkte, der anfange auch nicht gerade wie ein überzeugender Deal wirkte. Man mußte später erhebliche Wertberichtigungen vornehmen.

 
Doch bei der Kunst hatten die Zürcher Banker eine gute Nase. Die Übernahme von PaineWebber in New York vor fünf Jahren trug ihr eine Schatzsammlung ein. In fast jedem Büro dieser Bank hing ein Bild, das der ehemalige CEO Donald B. Marron in dreißig Jahren gesammelt hatte. Anfangs konnten die Mitarbeiter mit den modernen Sachen über ihren Köpfen nichts anfangen, doch als sie merkten, daß Museen sich um die Bilder rissen, war die Kunst plötzlich anerkannt, und keiner wollte sie mehr weggeben. PaineWebber war nicht billig; sie kostete die UBS immerhin 12 Milliarden Dollar. Manche hielten das Finanzgeschäft für weniger wertvoll, sahen darin eher den "Kunstdünger" für die Gemäldesammlung.

 
Diesen Schatz von Meisterwerken der Moderne - von Andy Warhol über AnseIm Kiefer, Roy Lichtenstein, Gerhard Richter bis hin zu Frank Stella - nutzt die UBS jetzt auch auf eine kommerziell moderne Weise. Man spielt den Mäzen, stellt die Bilder zeitweise Museen zur Verfügung und ködert auf diese Weise Kunden. Die Schnittmenge aus Kunst und Kommerz ist bei der UBS sehr groß, denn als größter Vermögensverwalter der Welt will man vor allem an die Reichen heran, und die gehen nun einmal häufiger in Museen.

 
Im Februar hingen die siebzig Werke bereits im Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Nun werden die ,,Contemporary Voices" der UBS-Kollektion in der Fondation Beyeler gezeigt. Das Haus des Händlers und Kunstsammlers Ernst Beyeler ist nicht nur das schönste Schweizer Privatmuseum, es hat auch den Vorteil, daß es direkt an der deutschen Grenze liegt. Um deutsche Kunden kümmert sich die UBS seit Jahren besonders intensiv: In zehn Städten gibt es inzwischen Berater, die das Geld der Reichen verwalten.

 
Bis Ende Februar können nicht nur "normale" Museumsbesucher die Auswahl aus der UBS Firmensammlung sehen. Die Bank macht daraus auch ein Kultur Event. Gegenüber dem Museum wurde in einem Park ein temporäres "Hospitality House" aufgestellt, in dem man nach der Kunst den vermögenden Kunden feine Häppchen reicht. Der Andrang ist groß; in den nächsten beiden Wochen ist das Haus bereits ausgebucht.

 

Für UBS-Präsident Ospel ist das kein kurzfristiger Modegag im Kultur Sponsoring. "Kunst kommt nicht nur vom Können, sondern auch vom Gönnen", sagte er jetzt mit Genießerblick. Bisher war die Bank vor allem ein Gönner, wenn es um Musikfestivals ging. Die UBS sponsert - ähnlich wie der Konkurrent Credit Suisse - ein Orchester. Dieses tritt regelmäßig im Walliser Wintersportort Verbier auf. Nun will die Bank sich auch mit Bildern bei den Reichen beliebt machen. Fine weitere Ausstellung ist in der Tate Modern in London geplant. Die Tour durch die Museen kann die Bank nicht ewig machen: Denn 44 der wertvollsten Werke aus der Paine Webber Kollektion sind bereits dem Museum of Modern Art in New York vermacht worden, und an dieser Schenkung, die in zwölf Jahren vollzogen wird, wollten die Schweizer nicht rütteln.

 

von Konrad Mrusek

  

back to Press Archive 2005

 
   
   
   

Important legal information - please read the disclaimer before proceeding.

Products and services in these webpages may not be available for residents of certain nations.

Please consult the sales restrictions relating to the service in question for further information.