SitemapContact
         
 

Tages Anzeiger, 27.12.2005

 

Auf dem Weg zum Corporate Kunstmuseum

Die UBS Art Collection zu Gast in der Fondation Beyeler - oder wie man eine Kunstsammlung mit einem Marsch durch die Institutionen aufwertet.

 

Es mag abgedroschen klingen, aber trotzdem: Die Fondation Beyeler in Riehen ist auch im internationalen Vergleich eines der anziehendsten Museen überhaupt. Die Gründe sind klar: Die Qualität der Sammlung Ernst Beyelers, die Architektur der 1997 eröffneten Fondation, die idyllische Lage tragen viel dazu bei. Attraktiv ist aber auch das Konzept, den Blick auf die Kernbestände durch den angegliederten publikumsnahen Ausstellungsbetrieb, durch Aktualisierungen und durch kleine Uberraschungen - auserlesene Leihgaben, an die Ernst Beyeler dank seiner hervorragenden Beziehungen immer wieder gelangt - in Bewegung zu halten.

 

Die Crux des Ausstellungsbetriebs liegt in den Kosten, die dieser trotz hoher Besucherzahlen nie und nimmer einspielen kann. Die Fondation Beyeler erzielt zwar satte 50 Prozent ihres Jahresbudgets von 14 Millionen Franken durch Eintritte - sie sind deutlich höher als in grossen öffentlichen Häusern - und den Shop. Dennoch kämpft die Fondation um ihr Budget.

 
Jüngst gab Ernst Beyeler durch Äusserungen in der deutschen Übersetzung seines Gespräches mit Christophe Mory (Scheidegger & Spiess, Zürich 2005) bekannt, der Berner Medizinalunternehmer Hansjörg Wyss, zugleich Stiftungsrat in der Fondation, engagiere sich auch finanziell. Ernst Beyeler bestätigt auf Anfrage, dass eine weitere Zusammenarbeit geplant sei. Es handelt sich um eben jenen vermögenden Wyss, der nach einigem Hin und Her die für 2008 geplante Erweiterung des Berner Kunstmuseums mitfinanzieren wird.

 

Verbrüderung mit der UBS

 

Die Fondation, die von Anfang an Subventionen des Stadtkantons Basel und der Gemeinde Riehen bezog, will aber Ernst Beyeler zufolge schon im kommenden Jahr auch näher ans Basler Kunstmuseum heranrücken. Ein solcher Schulterschluss scheint langfristig mehr als sinnvoll; von aussen wagt man sogar, sich die Fondation als Dépendance des Kunstmuseums vorzustellen, was den Konkurrenzkampf um ein ähnliches Publikum und ähnliche Geldtöpfe vielleicht entspannen könnte.

 
Nun aber hat man sich erst einmal mit der UBS verbrüdert, die die Fondation seit ihrem Bestehen als Sponsorin unterstützt. Die UBS Art Collection, die im vergangenen Sommer die MoMA Würde erwarb und in New York erstmals dem Publikum vorgestellt wurde (TA vom 16.12. 2004 und vom 10. 12. 2005), ist jetzt in Riehen zu Gast.

 
Schon kursieren Gerüchte, wonach dies der Beginn einer weit engeren Kooperation sein könnte. Ernst Beyeler verleiht auf Anfrage der Hoffnung Ausdruck, dass dem so sei. Er wisse, dass Marcel Ospel, Präsident des Verwaltungsrates der UBS, etwas für die Kulturstadt Basel tun wolle. Das UBS Engagement bei der ART sei ein Ausdruck davon. Spruchreif sei aber nichts. UBS Pressesprecherin Sabine Woessner erklärt dazu, man überprüfe sämtliche Sponsoringengagements regelmässig. Damit werden Spekulationen auf den harten Boden der Berechnung zurückgeholt.

 
Ein näherer Blick auf die UBS Kunstsammlung zeigt, dass es sich hier um ein hybrides Konstrukt mit multiplen Funktionen handelt. Die derzeit rund 900 Werke umfassende Sammlung wurde als Teil der Unternehmenskultur aufgebaut. Als die UBS 2000 den US Vermögensverwalter PaineWebber kaufte, kamen dessen Bestände hinzu, die Don Marron, CEO von Paine Webber, erworben hatte.

 
In den letzten Jahren hat man beschlossen, aus dieser Sammlung mehr zu machen und sie der Öffentlichkeit zu zeigen. Zudem will man sie allmählich «aufforsten». Dafür wurde ein international besetztes Beratergremium, Advisory Board, mit vier internationalen, gut vernetzten Kunstspezialisten angeheuert, die Asien, Lateinamerika, die USA und Europa abdecken. Unter ihnen ist Jean Christophe Ammann, der ehemalige Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, der auch die Sammlung der Deutschen Börse in Frankfurt aufbauen hilft. Dass er zudem UBS-Kunden im Rahmen des so genannten Art Banking bei ihren Ankäufen berät, zeigt, wie eng die Art Collection mit der Kundenbindung der UBS verknüpft ist.

 

Kraftlinien aufspüren

 

Ammann sieht seine Beraterfunktion beim Art Banking vor allem darin, Kunden «daran zu hindern, Geld auszugeben»  für Kunst, die es nicht lohnt oder die überteuert ist. Ammann beschreibt auf Anfrage die Aufgabe des Kuratoriums als Versuch, «Kraftlinien innerhalb der Sammlung aufzuspüren und weiterzuentwickeln». In einigen Jahren, so hofft Ammann, dürfte das Profil der Sammlung sich geschliffener präsentieren.

 
Offenbar hat man auch beschlossen, die Sammlung - die in der offiziellen Sprachregelung der Bank nicht als Investment, sondern als Teil der integrierten Unternehmenskommunikation gilt - mit Hilfe eines «Marsches durch die Institutionen» aufzuwerten. Dazu darf man die Präsentation im MoMA rechnen. Der Preis dort war insofern hoch, als 44 Werke aus der Sammlung, welche die MoMA Verantwortlichen selber klug ausgewählt haben, als Schenkung ans MoMA gehen. Die Schenkung wird aber erst 2017 rechtskräftig. Bis dahin dürfen die Bestände global zirkulieren. Aber nicht irgendwo: Das MoMA wacht darüber, dass die Ausstellungsorte die entsprechende Dignität haben.

 
So hat die UBS Art Collection jüngst eine Partnerschaft mit der Tate Modern in London für die kommenden drei Jahre beschlossen. Die Tate arbeitet Bestände der UBS Art Collection 2006 in ihre erste neue Sammlungspräsentation seit der Eröffnung 2000 ein. Angesichts des Hype um die Tate Modern ist dies ein erstklassiger Werbe Coup für die UBS. Und ein weiterer Schritt in einer Entwicklung, die immer deutlicher wird: Banken und Versicherungen nutzen prestigeträchtige Museen im Rahmen des Sponsoring immer intensiver als Plattformen zur Selbstdarstellung und bestimmen auch die Inhalte mit. Das ist der Preis für die viel gerühmte Public Private Partnership.

 

Keine atemberaubende Sammlung

 

Trotzdem ist der Weg zum Parnass steinig, wie die exemplarische Auswahl mit 70 Werken von 45 Künstlern aus der UBS Art Collection unter dem Titel «Contemporary Voices» in Basel zeigt. Sie hinterlässt einen durchwachsenen Eindruck. Sicher liegt das auch an der Präsentation: Die Werke - Videos und Skulpturen fehlen, da untauglich für Büros - hängen auf babyblauem Hintergrund, ein Härtetest selbst für herausragende Kunst. Ausserdem prallen auf viel zu engem Raum die verschiedensten künstlerischen Positionen ungebremst aufeinander. Die Hängung ist halb chronologisch, halb assoziativ, was dazu führt, dass eine Fotografie von Thomas Struth in unmittelbarer Nachbarschaft zweier nicht eben umwerfender Warhols hängt oder ein Neo Rauch neben der Hermannsschlacht von Anselm Kiefer. Manche Paarungen tun dem Auge richtig weh, beispielsweise ein RichterPorträt von 1963 neben einer Informel-Parodie Sigmar Polkes von 1985.

 
Darunter leiden auch die Glanzstücke, etwa von Brice Marden, Robert Ryman, d. Kooning. Ausserdem wurden zu wenig Werkgruppen, zu oft modische Namen gekauft - und nicht die besten Werke. So enttäuscht Bruce Naumans Papierarbeit ebenso wie der späte Philip Guston.

 
Die UBS Art Collection demonstriert die Schwierigkeiten des korporativen Sammelns: Hier ist kein wirkliches Anliegen, erst recht nicht der Wagemut eines visionären Sammlers spürbar. Klar wird nur, dass man zeitgenössische Kunst wollte, die schmuck, für Repräsentationszwecke geeignet und nach heutigem Ermessen ein sicherer Wert ist. Besonders sichtbar werden diese Mängel, wenn man anschliessend noch einmal Ernst Beyelers Kernbestände betrachtet. Der Galerist hat im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit stimmige, sinnvolle Werkgruppen zusammengetragen. Er hat Schwerpunkte und persönliche Vorlieben formuliert und präsentiert sie mit Liebe zu jedem einzelnen Werk. Die höhere, vermutlich unbeabsichtigte Ironie des UBS Gastspiels liegt darin, dass es diese Qualitäten des Gastgebers herausstreicht. Den Besuchern kann es vor Augen führen, dass eine wirklich faszinierende Sammlung ein Traum ist, der sich nicht mit Geld allein kaufen lässt.
  

von Barbara Basting

 

back to Press Archive 2005

 
   
   
   

Important legal information - please read the disclaimer before proceeding.

Products and services in these webpages may not be available for residents of certain nations.

Please consult the sales restrictions relating to the service in question for further information.