Beim Kauf eines Autos dauert es nicht
lange und das Gespräch kommt auf die
Energieeffizienz spätestens seit den
rasanten Ölpreisanstiegen im letzten Jahr.
Bei Immobilien scheinen die Investoren
diesbezüglich zurückhaltender zu sein. Der
Grund: Lange war unklar, ob die Mehrkosten
beim Bau einer energieeffizienten
Immobilie (maximal 10 Prozent) in absehbarer
Zeit amortisiert werden können.
2007 wurde in der Schweiz im Wohnungsbereich
nur knapp jeder zehnte Neubau
nach dem Minergie-Standard zertifiziert.
Dabei sind die meisten Minergie-Investoren
Privatpersonen, die sich wohl auch wegen
ihrer umweltfreundlichen Gesinnung für
die ökologische Bauweise entschieden
haben. Auffallend ist zudem, dass sich
unter den Minergie-Bauten viele Einfamilienhäuser
finden, obwohl diese einen
geringeren Effizienzgewinn erreichen als
Mehrfamilienhäuser.
Nebst der ideellen Komponente sprechen
auch handfeste Argumente für Minergie.
So ist der Wohnkomfort etwa wegen
des Raumklimas höher und die Abhängigkeit
vom Energiepreis geringer. Eigenheimbesitzer
berücksichtigen solche
Überlegungen.
Anders liegt der Fall bei
Renditeobjekten
wie Mehrfamilienhäusern.
Die Nebenkosten interessierten die Vermieter
bisher nur indirekt, da sie diese
meist auf die Mieter abwälzen können.
Vermieter rechnen oft falsch
In konventionellen Renditeberechnungen
werden Nettomieten verwendet, weshalb
die Gewinne aus einer energieeffizienten
Bauweise nicht primär den Eigentümern
zukommen. Diese halten daher eine Verbesserung
des Energiestandards oft für
unrentabel.
Gleich aus mehreren Gründen könnte
sich
diese Einschätzung der Vermieter
schon
bald als falsch erweisen. Die Energiepreise
dürften wieder stark anziehen, wenn sich
die Weltwirtschaft erholt. Bereits 2010 ist eine Steigerung des Erdölpreises auf
gegen 90 Dollar zu erwarten, womit
Energiesparen
allein schon finanziell
gesehen
wieder unverzichtbar wird.
Zudem wird der Energiepreishebel künftig
auch bei Renditeobjekten stärker wirken.
Seit August 2009 ist der von den Kantonen
erarbeitete Gebäudeenergieausweis
erhältlich (www.geak.ch). Dieser wird in
einer ersten Phase auf freiwilliger Stufe
getestet. Aufgrund der positiven Erfahrung
aus der EU dürfte er aber innerhalb
der nächsten 2 Jahre obligatorisch werden
und die Transparenz im Wohnungsmarkt
beträchtlich erhöhen. Immer mehr Mieter
werden dann eine Vollkostenrechnung
unter Einbezug der Nebenkosten anstellen
(Bruttomiete). Höhere Heiz- oder Kühlkosten
wegen schlechter Isolation werden
sie nur noch hinnehmen, wenn die regulären
Mieten entsprechend tiefer sind.
Das wird sich negativ auf die Rendite der
Vermieter auswirken.
Vorsicht vor Preisabschlägen
Neueste Studien zeigen allerdings, dass
die Mehrkosten für energieeffizientes
Bauen vom Schweizer Markt schon heute
vergütet werden. Umgekehrt sind Preisabschläge,
beispielsweise für schlecht
isolierte
Immobilien, absehbar. Gemäss
einer Umfrage unter deutschen Maklern
werden in Deutschland solche Gebäude
mit einem Preisabschlag von bis zu
20 Prozent bestraft. Hier mögen künftig
höhere Umweltabgaben oder gesetzliche
Mindeststandards
im Preis enthalten sein.
Neue Renditeberechnungsmodelle berücksichtigen
solche Wertverlustrisiken. Die
drohenden Abschreibungen könnten
Bewegung in den Renovationsstau bringen.
Gesamtsanierungen oder Ersatzneubauten
würden somit wieder lukrativer.
Vorausschauende Immobilieneigentümer
sollten darum eine Aufwertung ihrer
Liegenschaften
anstreben, bevor die
steigende
Sanierungsnachfrage den Preis
dafür in die Höhe treibt.