UBS schloss das Jahr 2008 mit einem
den UBS-Aktionären zurechenbaren
Reinverlust von 21,3 Milliarden Franken
ab. Dieses sehr enttäuschende Ergebnis
ist in erster Linie auf die Resultate
des Fixed-Income-Handelsgeschäfts der
Investment Bank und im Besonderen
auf Verluste und Abschreibungen im
Zusammenhang mit Engagements
im US-Immobilienmarkt und anderen
Kreditpositionen zurückzuführen. Vom
Verlust sind sämtliche Anspruchsgruppen
von UBS betroffen: 2008 ging die
Marktkapitalisierung von UBS in USDollar
gerechnet um 58% zurück, während
die Marktkapitalisierung der im
Dow Jones Banks Titans 30 Index vertretenen
Unternehmen durchschnittlich
47% sank. Der Personalbestand wurde
um 7% und die Mitarbeitervergütungen
wurden um 36% reduziert. Unsere
Kunden sind verständlicherweise enttäuscht
über unsere Verluste, schätzen
gleichzeitig aber die Beratung und das
Dienstleistungsniveau, das ihnen ihre
Kundenberater bieten.
2008 wird als aussergewöhnliches Jahr
in die Wirtschafts- und Finanzgeschichte
eingehen: Die globalen Aktienmärkte
brachen um 42% ein (MSCI World
Index), in den USA und Grossbritannien
erreichten die Zinsen historische Tiefstände,
und eine bedeutende Investmentbank
ging Konkurs. Viele der weltweit
führenden Finanzinstitute erhielten
im Kampf gegen die Krise von den
Regierungen frisches Kapital. Rückblickend
steht fest, dass UBS auf diese
Krise nicht vorbereitet war. Unsere
Bilanzsumme war zu gross, und die
Systeme zur Risikokontrolle und -bewirtschaftung
haben versagt. Wir konzentrierten
uns zu stark auf Wachstum und
zu wenig auf die Kontrolle der Risiken
und Kosten. Dies gilt namentlich für unsere
Vergütungssysteme, Performanceziele
und Kennzahlen zur Leistungsmessung
sowie Führungsstrukturen
auf oberster Ebene. Die komplexen
unternehmensbereichsübergreifenden
Beziehungen führten zu schwer abschätzbaren
Quersubventionen
und unklaren Verantwortlichkeiten.
2008 gingen wir in erster Linie
unsere strukturellen und strategischen
Schwächen an und legten den
Schwerpunkt auf die langfristige
finanzielle Stabilität von UBS.
Wir konzentrierten uns dabei auf die
Schlüsselbereiche, in denen wir
Schwachstellen identifiziert hatten:
Corporate Governance, Risikobewirtschaftungs-
und -kontrollprozesse, Liquiditätsbewirtschaftung
und Refinanzierung sowie Vergütung des Managements.
In der Folge führten wir 2008 ein neues Organisationsreglement
ein, das die Verantwortlichkeiten
zwischen dem Verwaltungsrat und der
Konzernleitung klar definiert. Hinzu
kamen die Gründung eines Executive
Committee, das jedem Unternehmensbereich
Kapital und Risiken zuweist und
deren Einsatz überwacht, sowie die
Gründung eines aus Verwaltungsratsmitgliedern
bestehenden Risk Committee.
Wir haben die Kredit- und Marktrisikofunktionen
der Investment Bank in einer einzigen neuen Einheit unter
der Leitung des Chief Risk Officer zusammengeführt.
Zudem haben wir ein Regelwerk für die Liquiditätsbewirtschaftung
und Finanzierung geschaffen. Dieses sieht vor, dass sich die
Unternehmensbereiche nur noch zu Marktzinsen bei den anderen Unternehmensbereichen refinanzieren dürfen.
Wir werden auch 2009 Änderungen
vornehmen. Dazu gehört die Einführung eines neuen Vergütungsmodells
für die obersten Führungskräfte, das die Vergütung an die Schaffung
nachhaltiger Resultate für die Aktionäre knüpft. Ausserdem wird die
Vergütung des Managements innerhalb
der Unternehmensbereiche primär an
das Ergebnis sowie die verantwortungsvolle
und unabhängige Bewirtschaftung
der Ressourcen und der Bilanz des jeweiligen Unternehmensbereichs
gekoppelt sein.
Die Veränderungen in unseren
Unternehmensbereichen
werden für die Transformation von UBS
massgeblich
sein.
Wie am 10. Februar
2009 bekannt gegeben, gliedert sich
UBS nun in vier Unternehmensbereiche
und das Corporate Center. Das ehemalige
Global Wealth Management &
Business Banking wurde in zwei neue
Unternehmensbereiche aufgeteilt:
Wealth Management & Swiss Bank und
Wealth Management Americas. Wir
werden mit der Neuausrichtung
der Investment Bank als kundenorientierter
Einheit, die ihre Erträge schwergewichtig
im Dienstleistungs-
und Kommissionsgeschäft
erwirtschaftet, fortfahren.
Die Investment Bank reduziert folglich
den Eigenhandel,
der unsere Kapitalbasis
beeinträchtigte. Eine neu gebildete
Einheit innerhalb der Investment
Bank bewirtschaftet
die Positionen derjenigen
Fixed-Income-Geschäfte, aus
denen wir uns zurückziehen werden.
Wir haben 2008 aktiv Massnahmen
zur Erhöhung der finanziellen Stabilität
von UBS ergriffen.
Über die Ausgabe
zweier Pflichtwandelanleihen
(MCNs) und eine Bezugsrechtsemission
floss UBS frisches Kapital in Höhe von
34,6 Milliarden Franken zu. Im Jahresverlauf
reduzierten wir unsere Bilanzsumme
um 11% auf 2015 Milliarden
Franken und die risikogewichteten
Aktiven um 19% auf 302,3 Milliarden
Franken, während wir gleichzeitig
unsere identifizierten Risikokonzentrationen
massiv abbauten. Zu verdanken
ist dies auch der 2008 abgeschlossenen
Vereinbarung
über den Verkauf eines
grossen Portfolios
illiquider Wertschriften
und anderer Positionen
an eine Zweckgesellschaft, die sich im
Besitz und unter der Kontrolle der
Schweizerischen
Nationalbank befindet.
Der Geschäftsaufwand ging um 19%
zurück. Per Ende 2008 betrug die
BIZ- Kernkapitalquote (Tier 1) 11%,
verglichen mit 9,1% Ende 2007 auf der
Grundlage der damals anwendbaren
unterschiedlichen Standards unter
Basel I.
Wie am 18. Februar 2009 bekannt
gegeben, hat UBS im Zusammenhang
mit den Untersuchungen zu
den grenzüberschreitenden Bankdienstleistungen
für US-Kunden
mit dem US-Justizministerium ein
sogenanntes Deferred Prosecution
Agreement (DPA) abgeschlossen
und mit der US-Börsenaufsicht (SEC)
im Rahmen einer Consent Order
eine Einigung erzielt.
Als Teil dieser Vereinbarungen wird sich UBS wie
bereits angekündigt aus dem grenzüberschreitenden
US-Geschäft zurückziehen und ein wirksames internes
Kontrollsystem einführen, um dadurch
die Einhaltung ihrer Pflichten im Zusammenhang
mit dem Qualified Intermediary
Agreement zwischen UBS und dem Internal Revenue Service
zu gewährleisten. Überdies wurden
im Zusammenhang mit der Vereinbarung
und gemäss Verfügung der
Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht
(FINMA) dem US-Justizministerium
Informationen über Konten gewisser
US-Kunden ausgehändigt. Dies betrifft
Fälle, bei denen aus Beweisen, die
UBS vorliegen, hervorging, dass Kunden
Betrugsdelikte und dergleichen im
Sinne des geltenden Doppelbesteuerungsabkommens
zwischen der Schweiz und den USA begangen
haben. Die Kosten des Vergleichs in Höhe von 780
Millionen US-Dollar wurden vollumfänglich
dem Geschäftsjahr 2008 belastet.
Diese Ereignisse machen deutlich,
wie wichtig ein effizientes Kontrollsystem
für unsere Bank ist und dass die
Leistungsanreize für die Mitarbeiter
an die Risikobewirtschaftung und -kontrolle
sowie die Schaffung von langfristigem
Mehrwert für die Aktionäre
geknüpft sein müssen.
Ausblick
Die Verschlechterung der
Bedingungen an den Finanzmärkten in
letzter Zeit sowie UBS-spezifische Faktoren
haben unser Ergebnis, allen voran
jenes der Investment Bank, beeinträchtigt.
Obwohl die Risiken erheblich
abgebaut wurden, sind wir mit unserer
Bilanz nach wie vor mit illiquiden und
volatilen Märkten konfrontiert. Unsere
Erträge werden daher wahrscheinlich
noch einige Zeit starken Schwankungen
unterliegen. Wealth Management
Americas verzeichnet weiterhin einen
positiven Nettoneugeldzufluss, dem
jedoch teilweise Nettoabflüsse in der
Einheit Wealth Management & Swiss
Bank gegenüberstehen. Auch das
Global Asset Management musste
Nettoabflüsse hinnehmen.
Allerdings sind auch die Rahmenbedingungen
an den Finanzmärkten nach wie vor schwierig. Denn die finanzielle Situation
der Unternehmen und privaten Haushalte verschlechtert sich weiter, trotz
der äusserst umfangreichen Regierungsmassnahmen zur Entspannung der
steuer- und geldpolitischen Lage. Unser kurzfristiger Ausblick bleibt daher von grösster Vorsicht geprägt.
2009 werden wir weiter daran arbeiten,
unsere Finanzkraft zu stärken, indem wir
unsere Risikopositionen, unsere Bilanzsumme
und unsere Betriebskosten reduzieren.
Die Geschäftsleitung wird sich
zudem darauf konzentrieren, die Kernkundengeschäfte
von UBS zu festigen
und auszubauen sowie den Konzern so
rasch als möglich auf ein nachhaltiges
Rentabilitätsniveau zurückzuführen.
11. März 2009