Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre
In der diesjährigen Jahresrechnung müssen wir einen Reinverlust auf Konzernstufe von 4384 Millionen Franken ausweisen. Dieser
ist praktisch vollständig auf unser Engagement am US-amerikanischen Wohnimmobilienmarkt zurückzuführen, in dem wir Positionen
in hypothekengesicherten Wertpapieren und darauf bezogenen strukturierten Produkten eingegangen sind. Die Verluste auf diesen
Beständen überschatten die hervorragende Performance unserer meisten anderen Geschäftseinheiten im Jahr 2007. Das diesjährige
Finanzergebnis ist daher umso schwieriger zu akzeptieren.
In diesem Brief erläutern wir, welche strukturellen Gründe wir für diese Verluste sehen und welche Gegenmassnahmen wir eingeleitet
haben.
Die Bewirtschaftung illiquider und lang- fristiger Risiken hat bei UBS seit jeher einen hohen Stellenwert. In diesen spezi-
fischen Risikokategorien ist die Situation unter Kontrolle: In den Bereichen Leveraged Lending und Gewerbeimmo- bilien halten
wir vergleichsweise geringe und hochwertige Positionen. Gleichzeitig waren wir – entsprechend unserem traditionellen Fokus
– stark im Handel mit scheinbar liquiden, qualitativ guten Wertpapieren involviert. Dass die starke Kapitalposition von UBS
günstige kurzfristige Refinanzierungen ermöglichte, trug zusätzlich zu diesem Wachstum bei. In der Folge weiteten sich unsere
Bilanz und unsere hohen Bestände an handelbaren Vermögenswerten rasch aus. Die Gründung von Dillon Read Capital Management
(DRCM) führte zu einem übergewichteten Engagement am US-Hypothekenmarkt. Die vorwiegend eigenhandelsbezogenen Aktivitäten
wurden auf DRCM übertragen. Im Gegenzug verstärkte die Investment Bank ihre Aktivitäten im Kundengeschäft in den Sparten Emission,
Handel und Strukturierung von hypothekengesicherten Wertpapieren. Dabei wurden jedoch Kapitalausfallrisiken eingegangen. Triebfeder
war der Versuch, in bestimmten Bereichen des Fixed-Income-Geschäfts Ertragslücken gegenüber wichtigen Wettbewerbern zu schliessen.
Im Nachhinein trugen diese drei strukturellen Faktoren massgeblich zum schlechten Ergebnis bei, das wir vor dem Hintergrund
der US-Immobilienkrise verzeichneten.
Dass die Aktionäre unsere Massnahmen zur Stärkung der Kapitalbasis an der ausserordentlichen Generalversammlung am 27. Februar
unterstützt haben, ist ein zukunftsweisender Entscheid für UBS. Wir möchten Ihnen dafür danken und ver- sichern Ihnen, dass
wir diese Massnahme als einen ersten Schritt auf dem Weg zur Erholung betrachten.
Wie gingen und gehen wir die Probleme an? Die DRCM-Aktivitäten haben wir bereits 2007 beendet und die entsprechenden Einheiten
in die Investment Bank integriert. Vor kurzem führte UBS ein neues Refinanzierungsmodell für die Investment Bank ein. Damit
wollen wir sicherstellen, dass unsere Handelsbestände zu marktüblichen Konditionen und abgestimmt auf die Art und Liquidität
der entsprechenden Positionen refinanziert werden. So soll der potenzielle Anreiz sinken, übermässige Handelsbestände aufzubauen.
Zusammen mit angemessenen Bilanzlimiten wird dies eine bessere Kontrolle unseres Bilanzwachstums gewährleisten. Schliesslich
haben wir die Investment Bank neu ausgerichtet, mit klarem Fokus auf unseren Stärken. 2007 wiesen wir für die Bereiche herausragende
Ergebnisse aus, in denen wir enge und langjährige Kundenbeziehungen und einen ausgezeichneten Kundenservice entwickelt haben.
Diese bilden eine solide Basis für nachhaltiges, profitables Wachstum.
Das Wealth- und das Asset-Management-Geschäft haben 2007 hervorragend abgeschnitten. Global Wealth Management & Business Banking
erzielte sowohl in Bezug auf die Nettoneugelder (156 Milliarden Franken) als auch in Bezug auf die Rentabilität das beste
Ergebnis ihrer Geschichte. Die Unternehmensgruppe Global Asset Management verfehlte ein Rekordresultat nur aufgrund der Kosten
für die Auflösung von DRCM. Die Mittelabflüsse aus institutionellen Mandaten waren weitgehend der in letzter Zeit schwachen
Anlageperfor- mance in einigen Bereichen von Core und Value Equities zuzuschreiben. Diese Probleme wurden inzwischen angegangen,
und es wurden neue Vermögensverwaltungsteams eingesetzt. Wir sind daher zuversichtlich, diesen Trend mittelfristig umkehren
zu können.
Ausserhalb der Schweiz besitzen wir ein fokussiertes Geschäftsportfolio, dessen Schwerpunkt auf dem Wealth Management, dem
Asset Management und dem Investment Banking liegt. Auf unserem Schweizer Heimmarkt sind wir die führende Universalbank. Der
Ertragsmix von UBS, die im Vergleich zu ihren Konkurrenten einen überwältigenden Teil ihres Ergebnisses im Wealth Management
und im Asset Management erwirtschaftet, ist einzigartig. Mit der neu ausgerichteten, auf das Kundengeschäft konzentrierten
Investment Bank verfügen wir über ein Geschäftsportfolio, das ausgezeichnet positioniert ist, um nachhaltig und profitabel
zu wachsen. Darunter verstehen wir, Ertragsströme zu generieren, die auf einem echten Kundennutzen basieren, einen soliden
und wachsenden Kundenstamm aufzubauen sowie weitere Pluspunkte zu pflegen, die von der Konku- rrenz nur schwer zu kopieren
sind. All unseren Unternehmensgruppen – Global Wealth Management & Business Banking, Global Asset Management und Investment
Bank – sollte derselbe fundamentale Trend zugutekommen: die langfristige Vermögensbildung. Unsere Einheiten in allen Ländern
entwickeln sich besser, wenn sie zusammenarbeiten, statt unabhängig voneinander Geschäfte abzuwickeln.
Um zu wachsen, ist eine effiziente Bewirtschaftung unserer finanziellen Ressourcen und Risiken sowie unseres Kapitals unabdingbar.
Indem wir die Effizienz kontinuierlich steigern, können wir die Durchsetzung der Kostendisziplin konzernweit verbessern und
in die Be- reiche investieren, die den grössten Nutzen für unsere Kunden und Anleger bringen. Wir bleiben einer disziplinierten
Kapitalbewirtschaftung verpflichtet. Unser Ziel ist, nicht für den Geschäftsausbau benötigtes Kapital unter Einhaltung der
regulatorischen Anforderungen wieder an die Aktionäre zurückzuführen, sobald unsere Rentabilität und unsere Kapitalkennzahlen
sich normalisiert haben.
Die Investment Bank steht unter einer neuen Führung: Jerker Johansson ist ein sehr erfahrener Bankfachmann mit einem herausragenden
Leistungsausweis in der Finanzbranche. Ihm kommt eine Schlüsselrolle bei unserer Mission zu, UBS im Kundengeschäft als wachstumsstärkstes
Finanzinstitut zu positionieren. Auf Konzernebene haben wir unsere Führungsstruktur weiter gestärkt. So haben wir die folgenden
drei Vertreter des oberen Managements in die Konzernleitung berufen, um die Einbindung der Investment Bank in die anderen
Geschäfte zu optimieren: Robert Wolf, Chairman und Chief Executive Officer, UBS Group Americas, sowie President und Chief
Operating Officer, Investment Bank; Alexander Wilmot-Sitwell, Joint Global Head, Investment Banking Department, Investment
Bank; und Marten Hoekstra, Head of Wealth Management, Americas.
Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und wir schätzen ihre Leistung, Loyalität und harte Arbeit – vor
allem in solch schwierigen Zeiten. Die Art und Weise, wie sie ihre Verantwortung gegenüber unseren Kunden wahrnehmen, bildet
die Grundlage unserer Geschäftstätigkeit.
Ausblick – Wie wir in unserem Brief zum Geschäftsergebnis des vierten Quartals 2007 ausführten, erwarten wir, dass 2008 ein weiteres
schwieriges Jahr wird. Wir konzentrieren uns auf den Ausbau unseres Kundengeschäfts und die Bewirtschaftung der Risiken, die
mit unseren verbleibenden Engagements am US-Immobilienmarkt verbunden sind. Unsere Mitarbeiter und Führungskräfte legen grössten
Wert auf eine disziplinierte Geschäftsführung. Gleichzeitig setzen wir alles daran, den Kunden weiterhin einen ausgezeichneten
Service zu bieten. Dies erscheint uns als der beste Weg, Ihr Vertrauen zu verdienen.
25. März 2008