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Operationelles Risiko
Operationelles Risiko  Unter operationellem Risiko versteht man ein Verlustrisiko, das infolge eines Mangels oder Versagens von internen Prozessen,
Menschen oder Systemen oder aufgrund externer Ereignisse entsteht. Diese können absichtlich oder zufällig herbeigeführt oder
natürlichen Ursprungs sein. Dieses Risiko ist Bestandteil aller Aktivitäten von UBS. Operationelles Risiko entsteht nicht
nur durch die Geschäfte, die wir als Finanzdienstleister tätigen, sondern auch durch die Tatsache, dass wir ein Unternehmen
sind. Als solches sind wir Arbeitgeber, besitzen und nutzen Immobilien und halten Vermögenswerte, einschliesslich Informationen,
für uns sowie für unsere Kunden. Unsere Bewirtschaftung des operationellen Risikos ist nicht darauf ausgerichtet, das Risiko
per se zu eliminieren. Vielmehr müssen wir gewährleisten, dass das operationelle Risiko die von der Unternehmensführung festgelegten
Limiten nicht überschreitet und dass wir über die nötigen Daten verfügen, um fundierte Entscheidungen über zusätzliche Kontrollen,
Änderungen von bestehenden Kontrollen oder über andere Risikomassnahmen zu treffen. Der Group Chief Risk Officer und der ihm
unterstellte Group Head of Operational Risk sind für die Unabhängigkeit, Objektivität und Wirksamkeit unserer Grundsätze zur
Bewirtschaftung des operationellen Risikos verantwortlich. Grundsätze zur Bewirtschaftung des operationellen Risikos
Jede Funktion, sei sie nun im Front-, Kontroll- oder Logistikbereich angesiedelt, ist für die Bewirtschaftung der operationellen
Risiken, die im Rahmen ihrer eigenen Tätigkeit entstehen, verantwortlich. Weil diese Risiken nicht isoliert auftreten, das
heisst, Probleme in einem Bereich möglicherweise Auswirkungen auf viele andere Bereiche haben, gründet unser Risikoansatz
auf der gegenseitigen Kontrolle aller Funktionen. Jede Unternehmensgruppe hat deshalb als integralen Bestandteil ihrer Aufsichtsstruktur
funktionsübergreifende Gremien geschaffen, um das operationelle Risiko aktiv zu bewirtschaften.
Um die Integrität der Entscheidungen im Risikomanagement zu gewährleisten, verfügt jede Unternehmensgruppe zudem über eine
Operational-Risk-Control-Einheit, deren Leiter funktional dem Group Head of Operational Risk untersteht. Diese Einheiten sind
in erster Linie dafür zuständig, die wirksame Umsetzung der Grundsätze zur Bewirtschaftung des operationellen Risikos in der
Unternehmensgruppe zu bestätigen, eine transparente Beurteilung und Berichterstattung über die Risiken zuhanden der obersten
Führungsebene sicherzustellen sowie unternehmensgruppenübergreifende Fragen mit ihren Pendants in anderen Unternehmensgruppen
und mit dem Group Head of Operational Risk zu koordinieren.
Die Grundsätze zur Bewirtschaftung des operationellen Risikos stützen sich auf die Definition der eigenen Rollen und Verantwortlichkeiten
in sämtlichen Funktionen. Damit lässt sich sicherstellen, dass eine angemessene Aufgabenteilung, die vollständige Abdeckung
sämtlicher operationeller Risiken und klare Zuständigkeiten gewährleistet sind. Aufgrund dieser Analyse entwickeln die Funktionen
Kontrollziele und -standards, um die materiellen und immateriellen Vermögenswerte sowie die Interessen der Bank gegen die
möglichen operationellen Risiken zu schützen, denen UBS im Verlauf ihrer Geschäftstätigkeit ausgesetzt ist. Diese Risiken
reichen von alltäglichen Ereignissen wie Problemen bei der Kontoabstimmung bis hin zu potenziell schwerwiegenden Ereignissen
wie Betrug. Es ist nicht möglich, alle Risiken zu eliminieren – weil Fehler und Unfälle immer passieren können –, und genauso
ist es auch nicht immer kosteneffizient, dies zu tun, selbst wenn es möglich wäre. Unser internes Kontrollsystem unterscheidet
mögliche Ereignisse nach der Wahrscheinlichkeit ihrer Häufigkeit und ihrer Auswirkungen. Unsere Bestrebungen zur Risikominderung
und -vermeidung konzentrieren sich auf jene Bereiche, in denen wir schwerwiegenden Ereignissen am stärksten ausgesetzt zu
sein glauben. Dies schliesst Ereignisse mit ein, die bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar oder – wenn auch nicht vorhersehbar
sind – so doch bis zu einem gewissen Grad als wahrscheinlich erachtet werden. Bei Risiken mit geringeren Auswirkungen legen
wir den Schwerpunkt auf die Bewirtschaftung und die Überwachung.
Die Funktionen überwachen die Einhaltung ihrer Kontrollen und beurteilen deren Wirksamkeit auf verschiedene Weise, zum Beispiel
mittels Selbstzertifizierung durch die Mitarbeiter und Evaluierung von deren Antworten durch das Management. Ferner überwachen
sie eine Vielzahl von Messgrössen, die frühzeitig aufzeigen können, ob die Nichterreichung der Kontrollziele eine Risikoerhöhung
bewirkt. Diese Kennzahlen geben Auskunft über die Anzahl und Art (unter anderem Bedeutungsgrad, Ausmass, Zeitdauer) beispielsweise
von Kundenbeschwerden und -forderungen, Annullierungen und Berichtigungen von Transaktionen, nicht abgestimmten Positionen
auf Kontokorrent- und Kundenkonten sowie Systemausfällen. Darüber hinaus evaluiert UBS die Folgen der Ergebnisse interner
und externer Audits sowie weiterer relevanter Informationsquellen.
Wenn Ereignisse eintreten, die bedeutende operationelle Risiken nach sich ziehen, analysieren wir ihre Ursachen sowie die
Implikationen auf unsere Kontrollgrundsätze – unabhängig davon, ob sie einen direkten finanziellen Verlust bewirken oder nicht.
Berücksichtigt werden – sofern genügend Informationen veröffentlicht werden – auch Ereignisse, die Drittparteien betreffen,
welche für unsere Geschäftsaktivitäten von Bedeutung sind. Es ist wichtig, dass wir sämtliche verfügbaren Informationen nutzen,
um unsere Kontrollprozesse zu überprüfen. Auch wenn ein Ereignis nicht zwangsläufig zu einem direkten oder indirekten finanziellen
Verlust führt, kann es einen Hinweis darauf liefern, dass unsere Standards nicht eingehalten werden.
Die funktional verantwortlichen Manager überprüfen die Gesamtheit dieser Informationen. Auf dieser Basis beurteilen sie, in
welchem Ausmass operationelle Risiken bestehen und welche Massnahmen zur Lösung spezifischer Probleme zu treffen sind. Es
wird regelmässig Bericht sowohl innerhalb der Unternehmensgruppe als auch zuhanden des Group Chief Risk Officer erstattet,
damit sich das oberste Management ein genaues Bild des operationellen Risikos machen kann.
Messung des operationellen Risikos
Die spezifischen Risiken, die im Rahmen des operationellen Risikomanagements ermittelt und der obersten Führungsebene gemeldet
werden, werden auf die potenzielle Häufigkeit ihres Auftretens und den voraussichtlichen Schweregrad der daraus entstehenden
Folgen geprüft. Anschliessend bestätigen die Operational-Risk-Control-Funktionen innerhalb der Unternehmensgruppen diese Beurteilungen.
Wir führen eine Datenbank für finanzielle Ereignisse (Gewinne ebenso wie Verluste), die aus Störungen der Geschäftsabwicklung
resultieren. Die Verlustdaten und die Szenarien, die mögliche künftige Verluste darstellen, nutzen wir als Inputgrössen für
ein Modell, welches das operationelle Risiko von UBS quantifiziert. Das Ergebnis aus diesem Modell wird letztlich die Grundlage
der regulatorisch erforderlichen Eigenkapitalunterlegung für die operationellen Risiken gemäss Basel II bilden. Diesbezüglich
beabsichtigen wir die Anwendung eines Advanced Measurement Approach. Diese Quantifizierung ist hilfreich, genügt indes nicht.
Ein einzelnes Ereignis kann für UBS auch andere finanzielle Folgen haben als direkte Kosten oder Verluste – beispielsweise
Bussen, Entschädigungen an Kunden oder auch Abschreibungen auf Vermögenswerten. Denkbar sind zudem Ertragseinbussen wegen
einer Unterbrechung der Geschäftstätigkeit oder Kosten im Zusammenhang mit einer Sanierung. Überdies können sich die Auswirkungen
als schwerwiegender erweisen, als die unmittelbaren Kosten zunächst vermuten lassen. Eine öffentlich bekannt gegebene Busse
der Aufsichtsbehörden etwa kann zu Kundenabgängen oder einem Verlust von Geschäften führen. Im Allgemeinen besteht kein direkter
Zusammenhang zwischen der Höhe des Risikos und den effektiven finanziellen Verlusten oder der Häufigkeit ihres Auftretens.
Diese liefern im besten Fall gewisse Anhaltspunkte.
Hinsichtlich der Bilanzierung der operationellen Risiken werden zahlreiche potenzielle Verluste identifiziert, bevor die Wahrscheinlichkeit,
der Zeitpunkt oder der Betrag der künftigen Belastung mit Sicherheit bekannt ist. Gemäss IFRS bilden wir jedoch eine Rückstellung
aufgrund der bestmöglichen Schätzung für eine Verpflichtung, wenn es wahrscheinlich ist, dass eine Zahlung zu leisten sein
wird – selbst wenn der zu begleichende Betrag noch nicht mit Bestimmtheit feststeht. Dies erfordert ein ausgebildetes Urteilsvermögen.
Sobald wir in der Lage sind, ein potenzielles operationelles Risiko genauer zu quantifizieren, wird die entspre- chende Rückstellung
nach oben oder unten korrigiert. Der Stand der ausstehenden Rückstellungen, der in Anmerkung 21 im Anhang zur Konzernrechnung
aufgeführt ist, dient als bestmögliche Schätzung des aktuellen Verlusts bei der Quantifizierung des operationellen Risikos.
Entwicklung des operationellen Risikos
Die Grundsätze zur Bewirtschaftung des operationellen Risikos dienen als Basis für die Beurteilung der internen Kontrollen
durch Spezialisten in Bereichen wie Recht, Compliance, Steuern und Personalwesen sowie als Hilfe zur Erfüllung internationaler
regulatorischer Kontrollanforderungen wie Basel II und Section 404 des Sarbanes-Oxley 404 (SOX 404).
UBS musste die Anforderungen gemäss SOX 404 erstmals Ende 2006 einhalten. Das im letzten Jahr geschaffene Group SOX Office
(GSO), das dem Group Chief Financial Officer untersteht, koordinierte eine Beurteilung der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems
für das finanzielle Berichtswesen durch Spezialisten. Ausgangspunkt bildeten dabei die Selbstbeurteilungen der Unternehmensgruppen.
GSO analysierte diese Ergebnisse und gab Empfehlungen zuhanden des SOX 404 Assessment Committee und der Konzernleitung ab,
die ihrerseits eine Beurteilung auf Stufe Konzern vornahm.
Aufbauend auf dem beschriebenen SOX-404-Ansatz haben wir das System zur Risikobewirtschaftung im vergangenen Jahr weiter so
optimiert, dass es die Beurteilungen der Policy-Umsetzung, des aufsichtsrechtlichen Berichtswesens sowie der Governance für
juristische Einheiten unterstützt. Ein Hauptschwerpunkt wird im kommenden Jahr darauf liegen, die Grundsätze mit einem konzernweiten
Ansatz für die Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit und das Krisenmanagement in Einklang zu bringen.
Schliesslich führte die anhaltende Geschäftsexpansion im Jahr 2006 auch zu Bestrebungen, die Richtlinien auf neue Bereiche
auszudehnen wie das UBS Service Centre in Indien, einem gemeinsamen internen Dienstleistungszentrum für das Offshoring von
Geschäftsprozessen, Dillon Read Capital Management, die auf alternative Anlagen spezialisierte neue Einheit von Global Asset
Management, sowie die 2006 erworbene Banco Pactual, eine der ersten Adressen Brasiliens für Wealth Management, Investment
Banking und Asset Management. Wir stellen sicher, dass unser System ausreichend skalierbar und flexibel bleibt, um seinen
Anwendungsbereich auf neu geschaffene Aktivitäten und neu erworbene Geschäftsbereiche auszudehnen.
| Operationelles Risiko in der Praxis
| Die gesamten finanziellen Verluste aus operationellen Risiken im Jahr 2006 waren in etwa mit jenen der Jahre 2004 und 2005
vergleichbar. 2006 war jedoch ein bedeutender Teil des Verlusts auf ein einziges Ereignis zurückzuführen: die Beilegung eines
langjährigen Rechtsstreits mit der Sumitomo Corporation. Der Rechtsstreit ging auf eine Klage aus dem Jahr 1999 zurück und
stand im Zusammenhang mit Kupfertransaktionen, an denen eine Vorgängerbank von UBS (die Schweizerische Bankgesellschaft) zwischen
1995 und 1996 beteiligt gewesen war. UBS schloss den Fall ohne Eingeständnis einer Schuld ab. Der Fall zeigt aber klar, welch
langfristige Auswirkungen gewisse Ereignisse, die operationelle Risiken nach sich ziehen, haben können, bei denen sich der
finanzielle Verlust erst Jahre nach den auslösenden Aktivitäten abzeichnet.
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