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Langfristige Aussichten

Es wird davon ausgegangen, dass die Weltwirtschaft in den nächsten zehn Jahren rund 3,1% pro Jahr wachsen wird. Der globale Wettbewerb und die Verbreitung neuer Technologien werden anhaltende Produktivitätssteigerungen zur Folge ­haben. Auch die weltweite Bevölkerungszahl und die damit verbundene wirtschaftliche Aktivität werden zunehmen. Die ­Beschäftigung wird möglicherweise etwas langsamer anziehen, da in einigen Ländern das Durchschnittsalter steigt.

Die höchsten Wachstumsraten wird Asien vor Osteuropa, dem Nahen Osten und Lateinamerika verzeichnen. In absoluten Zahlen wird das Bruttoinlandprodukt (BIP) in den asiatischen Staaten am stärksten wachsen. In nur geringem ­Abstand werden Nordamerika und Westeuropa folgen. Aus diesem Grund ist es für globale Finanzdienstleister wie UBS wichtig, sowohl in Wachstums- als auch in grossen, gesättigten Märkten wie den USA und Westeuropa fest verankert zu sein.

Die Finanzdienstleistungsbranche expandiert seit Jahren stärker als die Wirtschaft. Entscheidend für das weitere Gedeihen des Finanzsektors werden innovative Finanzprodukte bleiben, die eng an die Weiterentwicklung der Wertpapiermärkte gekoppelt sind. In den kommenden Jahrzehnten dürften verschiedene spezifische Faktoren die Branchenentwicklung bestimmen:

– Finanzliberalisierung und -deregulierung

– Vermögensakkumulation

– Altersvorsorge

– Verbriefung

– Trend hin zur Aktie

– alternative Anlagen

– Unternehmensrestrukturierungen und verstärkte internationale Ausrichtung

– Rohstoffe

Die Begriffe und ihre jeweiligen Auswirkungen auf unsere Tätigkeit werden nachfolgend beschrieben.

Finanzliberalisierung und -deregulierung

Die Finanzbranche verdankt ihre rasche Expansion dem Liberalisierungs- und Deregulierungstrend der letzten Jahrzehnte, der eine deutliche Verbesserung der Qualität und des Angebots der Finanzdienstleistungen ermöglichte. Dieser Prozess ist in zahlreichen Ländern bereits weit fortgeschritten. In ­gewissen Märkten ist daher mit keiner weiteren wesentlichen Deregulierung zu rechnen. Im Gegenteil: In einigen Industrie­ländern – namentlich in den USA, wo die Geschäftsführungskosten gestiegen sind – hat das regulatorische Pendel in den letzten Jahren zurückgeschlagen. Wir gehen davon aus, dass man sich auf effizientere Regulierungen zurückbesinnen wird, mit denen sich die aufsichtsrechtlichen Ziele durch ­weniger Markteingriffe erreichen lassen.

Zu weiteren Deregulierungen dürfte es in Schwellenländern kommen, wo die Binnenmärkte noch relativ stark geschützt sind, und viele dieser Länder in der Deregulierung ein Mittel zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sehen. Die Liberalisierung wird indes unterschiedlich rasch voranschreiten. Der Abbruch der Doha-Runde über den multilateralen Handel im Juni letzten Jahres bedeutete einen herben Rückschlag für die weitere Liberalisierung – auch wenn wir damit rechnen, dass viele der zu behandelnden Fragen im Rahmen vertiefter regionaler und bilateraler Vereinbarungen geregelt werden.

Jegliche weitere Liberalisierung dürfte im Allgemeinen den Investmentbanken und Wertschriftenhäusern zugute kommen. Diese sind so positioniert, dass sie von einer stärkeren Öffnung lokaler Kapitalmärkte profitieren werden. Die Vorteile für Vermögensverwalter mit globalen Plattformen dürften in der Erleichterung des internationalen Anlagefondsgeschäfts liegen.

Vermögensakkumulation

In zahlreichen Volkswirtschaften findet eine spürbare Verlagerung von der arbeitsintensiven Produktion zur kapitalintensiven Tätigkeit statt. Diese Entwicklung lässt einen deutlichen Trend hin zur individuellen Vermögensakkumulation erkennen, der im nächsten Jahrzehnt insbesondere in Asien anhalten dürfte. Die Vermögen werden in den Industrieländern voraussichtlich schneller wachsen als das BIP. Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen Vermögen und BIP in den Schwellenländern derzeit recht niedrig ist und unter ­anderem aufgrund allgemein höherer Sparquoten ansteigen dürfte. Diese Trends werden den weltweiten Vermögensverwaltern Auftrieb verleihen. Auch die Asset Manager werden davon profitieren, denn die privaten Vermögen gelten als entscheidender Faktor für das Wachstum institutioneller Gelder. Diese Entwicklung dürfte sich ebenso für Investment­banken und Wertschriftenhäuser als Vorteil erweisen, da sowohl der Grad der Kapitalisierung an den Finanzmärkten als auch die Handelsvolumen steigen werden.

Altersvorsorge

In den kommenden Jahrzehnten werden sich die meisten etablierten, gesättigten Volkswirtschaften infolge der schrump- fenden Geburtenraten mit einer markanten ­Verschiebung der demografischen Verhältnisse auseinandersetzen müssen. Die Zahl der Pensionierten wird also steigen, während die Zahl der Jungen abnimmt, die sie in der Arbeitswelt ersetzen – und ihren Ruhestand finanzieren. Aus ­diesem Grund fassen Regierungen auf der ganzen Welt Reformen der Vorsorgesysteme ins Auge. In Kontinentaleuropa und ­Japan, wo die Vorsorgesysteme vorwiegend auf dem Umlageverfahren basieren, werden Reformen besonders dringlich. Zwar wird jeder Staat individuell über regulatorische Massnahmen entscheiden, doch gehen wir grundsätzlich davon aus, dass eine schrittweise Verlagerung von den ­öffentlichen mittels Umlageverfahren finanzierten Vorsorgesystemen hin zu privaten – mittels Kapitaldeckungsverfahren finanzierten – Systemen stattfinden wird.

Neben der Investment-Banking- und der Wealth-Management-Branche sollte vor allem der institutionelle Vermögensverwaltungssektor deutlich von dieser Entwicklung profitieren. Der Schwerpunkt wird nicht mehr allein auf der Anlageberatung und der Betreuung von Vorsorgeplänen für Kunden liegen, sondern auch auf aktuellen Fragen, mit ­denen sich bestehende und potenzielle Kunden befassen müssen. Im Zentrum stehen insbesondere Leistungsprimatskassen mit Unterdeckung. Die gegenwärtige Verlagerung vom Leistungs- zum Beitragsprimat wird sich unseres Erachtens im gleichen Tempo fortsetzen, solange die Unternehmen ihre Bilanzen gegen die negativen Auswirkungen der Überalterung schützen.

Investmentbanken bieten Pensionskassen seit Kurzem Beratungsdienstleistungen im Bereich Liability-Led Asset Management an, wo Derivate und strukturierte Produkte zum Einsatz kommen. Wir gehen davon aus, dass im Wealth Management die aktuellen Entwicklungen die Nachfrage nach vorsorgespezifischen Produkten beeinflussen werden. Ein Mensch geht durch verschiedene Lebensphasen. Bis zum 40. oder 50. Altersjahr steht in der Regel der Vermögensaufbau im Vordergrund. Dies ändert sich oft zirka ab dem 60. Altersjahr, und der Schwerpunkt von Privatkunden verschiebt sich vom Aufbau zur Erhaltung und Absicherung des Vermögens. Um den Ruhestand für diese Personen vorzubereiten, sind geeignete Produkte und Dienstleistungen nötig. Deren Bereitstellung eröffnet der Finanzdienstleistungsbranche bedeutende Wachstumschancen.

Verbriefung

Der Wandel, den die Finanzdienstleister in den letzten zehn bis zwanzig Jahren durchmachten, beinhaltete auch eine Abkehr vom klassischen Kreditgeschäft und eine gleichzeitig wachsende Bedeutung des Wertschriftenhandels und der ­Finanzmärkte. So sind Unternehmen nun oft in der Lage, die benötigten Finanzmittel direkt an den Kapitalmärkten zu ­beschaffen. Als Folge davon ist der Markt für Unternehmensanleihen mit den Jahren gewachsen und hat das klassische Kreditgeschäft der Banken verdrängt. Parallel dazu förderte die Zunahme von Bankaktiven in Form von Krediten, Hypotheken und anderen Forderungen die Verbriefung ­solcher Aktiven, was wiederum die Volumen der forderungsbesicherten Wertpapiere ansteigen liess.

Diese Trends werden voraussichtlich anhalten. Kontinentaleuropa schliesst im Bereich Verbriefung Schritt für Schritt zu den USA auf. In zahlreichen Schwellenländern sind die Märkte für Unternehmensanleihen noch unterentwickelt, wachsen aber rasant. Die Finanzmarktteilnehmer werden immer besser in der Lage sein, das Gegenparteienrisiko zu beurteilen, was eine Finanzierung an den Wertpapiermärkten erleichtert. Da sich zudem immer mehr Unternehmen an der Börse kotieren lassen, müssen sie auch die mit der Kotierung verbundenen Transparenzstandards und damit die Anforderungen für die Emission von Schuldpapieren einhalten.

Trend hin zur Aktie

In den letzten zehn Jahren erhöhte sich die Marktkapitali­sierung an den weltweiten Aktienmärkten jährlich um rund 10%. Gemäss jüngsten Schätzungen machen Aktien nahezu die Hälfte des Zuwachses bei den globalen Finanzver­mögen aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass immer mehr ins­titutionelle und private Anleger einen zunehmenden Anteil ihres Vermögens in Aktien investieren. Der steigende Anteil der Aktien an den globalen Finanzvermögen zeigt, wie sich die Kontrolle von produktiven Vermögenswerten vom Staat und von den Privaten auf den öffentlichen Markt verlagert und die Unternehmen sich verstärkt über den ­öffentlichen Aktienmarkt finanzieren. Die zugrunde liegenden Trends, die auf eine immer wichtigere Rolle der Finanzierung über den Aktienmarkt und von Aktienanlagen hin­deuten, dürften ­bestehen bleiben, wenn auch der Bereich Private Equity ebenfalls rasch wächst. Westeuropa scheint uns infolge der anhaltenden Finanzmarktintegration ein bedeutendes Wachstumspotenzial aufzuweisen. Noch grösser ist das Wachstumspotenzial in den Schwellenländern, da sie im Verhältnis zum BIP eine relativ niedrige Aktienmarktkapitalisierung aufweisen. Neben dem Investment Banking und Wertschriftenhandel ergeben sich auch für Vermögensverwalter von privaten und institutionellen Anlegern solide Wachstums­chancen, da die Vermögenswerte zunehmend in Kategorien im höheren Margensegment umgeschichtet werden. Überdies ist damit zu rechnen, dass die weitere Standardisierung der Broker-Dienste kleinere Anbieter veranlassen wird, diese Tätigkeit an grössere Mitbewerber auszulagern.

Alternative Anlagen

In den letzten zwanzig Jahren hat die Nachfrage nach alternativen Anlagen – also anderen Investmentkategorien als Geldmarktanlagen, Anleihen oder börsenkotierten Aktien – spürbar zugenommen. Am stärksten war dies in Nordamerika zu beobachten. Dort haben sich Immobilien und Private Equity seit den frühen 1980er-Jahren zu zentralen Portfoliobestandteilen entwickelt, und die einst als Nebenprodukt betrachteten Hedge Funds geniessen weltweit eine immer breitere Akzeptanz. Eine steigende Zahl von Investoren nutzt alternative Anlagen zur Steigerung der erwarteten Renditen und besseren Portfoliodiversifikation. So entstehen laufend neue Kategorien von alternativen Anlagen. Als Folge davon verzeichnen die Anbieter dieser Vermögensklassen eine ­zunehmende Nachfrage nach komplexen Produkten. Diese ­reichen von Börsengängen und Leveraged Finance für ­Private-Equity-Unternehmen bis zu Prime-Brokerage- und administrativen Dienstleistungen für Hedge Funds.

Unternehmensrestrukturierungen und verstärkte internationale Ausrichtung

In den letzten Jahren kamen vielen Unternehmen das ausgeprägte Weltwirtschaftswachstum, die niedrigen nominalen Zinsen und die global reichlich vorhandene Liquidität zugute. Folglich hat die weltweite Ausfallrate einen historischen Tiefstand erreicht, während die Gewinne markant höher ausfielen. Angesichts steigender Zinsen und nachlassender globaler Liquidität dürfte der Kreditzyklus sich allmählich normalisieren und zu seinem langfristigen Durchschnitt ­zurückkehren. Dies wird voraussichtlich zu anhaltenden Unternehmensrestrukturierungen führen, die wiederum unseren Investment-Banking-Einheiten Geschäftschancen eröffnen werden.

Gleichzeitig wird sich die Internationalisierung fortsetzen. Dies gilt insbesondere für Asien, wo sich die lokalen Unternehmen dank des hohen Wirtschaftswachstums sukzessive zu Nettokäufern von Vermögenswerten im Ausland entwickeln, namentlich in den USA und in Europa sowie in den rohstoffreichen Ländern Afrikas und Lateinamerikas. Dies wird unseren Beratungsspezialisten die Gelegenheit bieten, Firmen bei Akquisitionen rund um den Globus zur Seite zu stehen.

Rohstoffe

Die Produktionskapazitäten für Energie und Rohstoffe ­reichen derzeit nicht aus, um die wachsende weltweite Nachfrage – vor allem seitens der Schwellenländer – zu ­befriedigen. So hat sich der Fokus auf die effiziente Zuteilung der Rohstoffe verlagert, ähnlich der gezielten Ressourcenallokation an den Kapitalmärkten. Die Energie- und Rohstoffmärkte werden den Finanzmärkten immer ähnlicher. ­Finanzunternehmen kaufen und verkaufen Futures oder schliessen ausserbörslich Finanzkontrakte (Derivate) mit ­anderen Marktteilnehmern ab. Da ihre Erfahrung an den Kapitalmärkten voll zum Tragen kommt, können ­Finanzunternehmen vom Bedürfnis der Kunden nach immer ausgefeilteren Produkten und Dienstleistungen im Rohstoff­bereich profitieren.

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