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Verdiente Chancen
Verdiente Chancen

Bereits als Priester wusste Joaquim Melo, was Armut heisst. Er war in einer "Favela" aufgewachsen, wie die Brasilianer die grossen Elendssiedlungen aus Karton, Plastik und anderen Abfallmaterialien nennen, in denen rund 20% der Landesbevölkerung hausen.
Bereits als Priester wusste Joaquim Melo, was Armut heisst. Er war in einer "Favela" aufgewachsen, wie die Brasilianer die grossen Elendssiedlungen aus Karton, Plastik und anderen Abfallmaterialien nennen, in denen rund 20% der Landesbevölkerung hausen.

Wie die meisten Brasilianer, die das Pech haben, aus einer Favela zu stammen, hatte sich auch Melo nichts sehnlicher gewünscht, als ihr zu entfliehen - und er wollte anderen helfen.

In Melos jungen Jahren, als in Brasilien eine Militärdiktatur herrschte, gehörte die katholische Kirche zu den wenigen Organisationen, die sich um Arme kümmerten. Dies bewog ihn, der Kirche in Fortaleza, einer Stadt an der Nordostküste Brasiliens, beizutreten. Und bereits während seiner Zeit im Priesterseminar begann er, den Armen beizustehen, indem er in Fortaleza das entbehrungsreiche Leben jener teilte, die Abfallberge nach Verwertbarem durchwühlen, um zu überleben.

"Sechs Monate lang lebte ich mit den Müllsuchern auf der Abfallhalde. Ich glaube, dies ist die einschneidendste, demütigendste Erfahrung, die ein Mensch machen kann. Auf der Abfallhalde unterscheiden sich die Menschen nicht mehr von den Tieren - zumeist Aasgeiern - und dem Müll selbst", meint Melo.

"Tiefer sinken kann man nicht. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man gibt das Leben ganz auf, oder man kämpft mit aller Kraft. Ich entschied mich für das Zweite - und dafür, gemeinsam mit den andern einen Ausweg aus diesem Elend zu finden", erklärt Melo.

Knapp ein halbes Jahr später zog er nach Conjunto Palmeira. Dies ist ein Slum am Rand von Fortaleza, in dem viele der 30 000 Bewohner ohne funktionierende Wasserversorgung und ohne Strom, Abwassersystem und Kanalisation lebten. Dort engagierte er sich immer stärker in Sozialprojekten. Er half mit, die Lebensbedingungen der gesamten Gemeinschaft zu verbessern, indem er den Aufbau einer Müllabfuhr, eines Wasserleitungssystems und von Strassen organisierte. Im Laufe der Zeit verlor seine soziale Arbeit zunehmend den Bezug zur Kirche. Dafür wurde er sich immer mehr bewusst, welch grossen Einfluss volkswirtschaftliche und finanzielle Aspekte auf das Phänomen Armut haben. Dies führte 1997 schliesslich zur Gründung der Banco Palmas.

Die Banco Palmas basiert auf einem gemeinschaftsorientierten System, das lokalen Produzenten und Verbrauchern Mikrofinanzierungen in Form von Kreditkarten gewährt und eine eigene Währung, den Palmas, beinhaltet. ­Diese ist an das offizielle brasilianische Zahlungsmittel, den Real, gekoppelt und wird von den lokalen Produzenten, Läden und Verbrauchern anerkannt. Dadurch wird der Verkauf von Gütern innerhalb der Gemeinschaft erleichtert, das Wirtschaftswachstum gefördert und ein Gefühl der Solidarität unter den Bewohnern geschaffen.

Mit der Banco Palmas wollte Melo einen nachhaltigen und dynamischen ­lokalen Wirtschaftskreislauf in Conjunto Palmeira in Gang bringen. Es ist ihm gelungen: Heute zählt die Gemeinschaft 40% mehr Betriebe als 1997. Die Bank hat 300 direkte und weitere 600 indirekte Stellen in Unternehmen geschaffen, an die sie Mikrokredite vergeben hat.

Melos Initiative und Brasilien sind keine Einzelbeispiele. Verschiedene Faktoren, unter anderem die Globalisierung, haben einen massgeblichen Einfluss auf die armen Länder und ihre Fähigkeit, die Armut zu bekämpfen. Laut Weltbank beläuft sich das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern seit 2000 auf durchschnittlich 4,8% pro Jahr und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie in den Industrie­nationen, die durchschnittlich 2% zulegten.

Doch trotz des jüngsten Wachstumsschubs wird man sich in vielen Ländern zunehmend der grossen Unterschiede zwischen Arm und Reich bewusst. Gemäss dem World Institute for Development Economics Research kontrolliert 1% der Weltbevölkerung 40% des gesamten weltweiten Nettovermögens, während knapp die Hälfte aller Menschen (2,8 Milliarden) lediglich 1,1% besitzt. Soziale Probleme werden daher im 21. Jahrhundert nur über neuartige Wege wie jenen von Melo zu lösen sein.

Eine nicht gewinnorientierte Organisation, welche nach besonders innovativen Ansätzen sucht und in diese investiert, ist Ashoka - ein globales Netzwerk aus führenden Sozialunternehmern aus der ganzen Welt. Dabei handelt es sich um Frauen und Männer, die wie Melo gegen die drängendsten sozialen Probleme auf dieser Welt ankämpfen. Seit 1981 hat Ashoka mehr als 1800 solcher Menschen zu Ashoka Fellows ernannt. Diese erhalten finanzielle und professionelle Unterstützung sowie Zugang zu einem globalen Netzwerk von Gleichgesinnten in über 60 Ländern.

"Durch Ashoka kam ich in Kontakt mit Menschen, die sich ebenfalls für eine bessere Welt und die höhere Wertschätzung des menschlichen Lebens einsetzen. Von Ashoka erhielt ich finanzielle Unterstützung für drei Jahre. So konnte ich mich vollzeitlich meiner sozialen Arbeit widmen", erklärt Melo.

2004 wurde Melo von der Ashoka Fellow­ship nominiert. 2005 gewann er den ersten "Visionaris Award". Mit diesem Preis werden in Argentinien, Brasilien und Mexiko Gründer von Organisationen ausgezeichnet, die wesentliche soziale Herausforderungen auf innovative Art und Weise angehen.

Diese und andere Auszeichnungen sowie die jüngste Welle philanthropischer Engagements erfolgreicher Führungskräfte und Unternehmer auf der ganzen Welt stellen konkrete Fortschritte dar - und wecken Hoffnung.

Melo dazu: "Ich habe das Preisgeld dazu verwendet, das Netz von Anlaufstellen der Banco Palmas weiter auszubauen."

Gutes tun mit UBS

UBS hat zwei Einheiten ins Leben gerufen, um Kunden zu unterstützen, die sich wohltätig engagieren möchten - das Beratungsteam Philanthropy Services und die UBS Optimus Foundation.

UBS Philanthropy Services beantwortet Fragen zur Gestaltung, Errichtung und Umsetzung passender Strukturen im karitativen Bereich. Zudem führt die Einheit jedes Jahr das UBS Philanthropy Forum durch und begleitet die Verleihung des "Visionaris Award" für soziales Unternehmertum. Sie vermittelt ihren Kunden Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten im Wohltätigkeitsbereich und stellt umfassende Informationen zu einer breiten Palette karitativer Engagements in verschiedenen Regionen bereit.

"Visionaris haben wir geschaffen, um zwei Gruppen von Menschen zusammenzubringen, die sich sonst vielleicht nie treffen würden - Philanthropen und Sozialunternehmer", erklärt Maximilian Martin, Global Head of UBS Philanthropy Services. "Wir haben uns für die Zusammenarbeit mit Ashoka entschieden, weil sie in der Vergangenheit erfolgreich auf Persönlichkeiten gesetzt hat, die fähig sind, komplexe soziale Probleme wirkungsvoll anzugehen."

Die UBS Optimus Foundation bietet Kunden und Mitarbeitern eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich an humanitären Projekten zu beteiligen. Die Stiftung fördert weltweit Projekte in zwei Kernbereichen: "Kinder & Talente" sowie "Medizinische & biologische Forschung". Dabei arbeitet die Stiftung eng mit angesehenen Partnerorganisationen zusammen. Die Projekte werden von einem internen Expertenteam ausgewählt, das auch die Umsetzung sorgfältig überwacht. Die Verwaltungskosten der UBS Optimus Foundation werden zu hundert Prozent von UBS getragen. Dadurch fliessen die Beiträge der Kunden vollumfänglich in die Projekte. 2006 spendete die UBS Optimus Foundation 9 Millionen Franken und unterstützte damit 53 Projekte in Afrika, Asien-Pazifik, Europa sowie Nord- und Südamerika.

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