Der Grundstein für dieses halbe Jahrhundert beispiellosen Wachstums wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gelegt.
1944 wurde mit dem Bretton-Woods-Abkommen ein internationales Währungssystem geschaffen, 1945 der Internationale Währungsfonds
(IWF) und 1947 in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT). Zusammen ermöglichten
sie die Stabilisierung der Wechselkurse und den Abbau von Handelsschranken, was dem grenzüberschreitenden Handel zwischen
den Industrieländern viel Schub verlieh.
Parallel dazu - vor allem als Folge der Aufhebung des Systems stabiler Wechselkurse im Jahr 1977 - liefen Bestrebungen, die
nationalen Finanzmärkte zu deregulieren. Seither ist das tägliche Handelsvolumen an den Devisenmärkten gemäss Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich (BIZ) in ungeahnte Höhen gestiegen: von wenigen Millionen auf 1,2 Billionen US-Dollar. Die Deregulierung
und die rasante Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien versetzten Finanzexperten in die Lage, eine ganze
Palette von innovativen Produkten zu schaffen - von Kreditkarten bis hin zu Derivaten. Damit änderte sich das globale Finanzsystem
innert weniger Jahrzehnte von Grund auf.
Prototyp solcher Innovationen sind die Derivate, deren weltweites Handelsvolumen sich zwischen 1990 und 2000 mehr als verzehnfacht
hat. Gemäss BIZ-Statistik belief sich beispielsweise der Gesamtwert aller ausstehenden Derivatkontrakte, die ausserbörslich
gehandelt werden, per Ende Juni 2006 auf 370 Billionen US-Dollar. Derivate sind Kontrakte zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten
Vermögenswerts zu einem bestimmten Preis und zu einem im Voraus festgelegten Zeitpunkt. Sie haben der Finanzindustrie ganz
neue Wege eröffnet, Risiken weiterzugeben und sich gegen Verluste abzusichern, und sie erhöhen damit die Stabilität des globalen
Wirtschafts- und Finanzsystems ganz wesentlich.
Gleichzeitig sind es genau diese beträchtlichen Handelsvolumen, die auch zunehmend über Hedge Funds abgewickelt werden, welche
neue potenzielle Risiken schaffen, und deshalb von Zentralbanken, Aufsichtsbehörden und internationalen Finanzorganisationen
vermehrt ins Visier genommen werden. Der Einsatz von Kreditderivaten zur Absicherung der Bankausleihungen beispielsweise
könnte die Branche als Ganzes zu weniger Sorgfalt bei Kreditgeschäften verleiten. Dadurch würde die Wahrscheinlichkeit künftiger
Zahlungsausfälle erhöht. Dieser und andere Faktoren veranlassten den IWF zu einem Aufruf an die zuständigen Regulatoren, die
Risikobewirtschaftung im Finanzsektor stärker zu überwachen und bei Bedarf neue Richtlinien zu erlassen.
Bedauerlicherweise entstanden durch die weltweite Liberalisierung des Finanzsystems auch neue Formen der Kriminalität. Um
die Stabilität der Finanzmärkte langfristig zu gewährleisten, sind eine gezielte Überwachung und Regulierung unerlässlich.
Doch wo liegt das Gleichgewicht zwischen Regulierung und Marktfreiheit? Diese Frage ist nicht neu. Einerseits wäre der weltweite
Wirtschaftsboom der letzten Jahrzehnte ohne Liberalisierung der Märkte nicht möglich gewesen. Andererseits zeigen die Globalisierung
der Kapitalmärkte und der weltweite Kampf gegen die Kriminalität und den Terrorismus, dass die Regulierungsmassnahmen im Finanzsektor
zunehmend komplexer und schwieriger umzusetzen sind.
Die Finanzbranche ist sich dessen bewusst und hat daher ihrerseits eine Reihe von vorbeugenden Massnahmen ergriffen. Ein Beispiel
sind die Wolfsberg-Richtlinien. Dabei handelt es sich um eine Reihe globaler Richtlinien zur Bekämpfung der Geldwäscherei,
die von einer Gruppe weltweit führender Banken - darunter UBS - verfasst und unterzeichnet wurden. Sie verpflichten die beteiligten
Banken, ihre Kunden rund um den Globus jederzeit identifizieren zu können und durch den Austausch interner Geldwäscherei-Richtlinien
einen gemeinsamen internationalen Standard festzulegen. Ein weiteres Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen dem Finanzsektor
und den US-Behörden, die sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 intensiviert hat.
Vor einigen Monaten rief das Institute of International Finance (IIF), das Führungskräfte der weltweit wichtigsten Finanzinstitute
vereinigt, zu einem strategischen Dialog über effiziente Regulierung auf (siehe Artikel rechts).
Diese beiden Initiativen zeigen klar, dass die internationale Finanzbranche bestrebt ist, marktorientierte Lösungen zu erarbeiten,
um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen - sowohl im Interesse der Öffentlichkeit als auch in ihrem eigenen.