Eine rege Bautätigkeit ist das sichtbarste Merkmal einer wachsenden, zunehmend globalisierten Wirtschaft. In Schanghai stehen
zahllose Baukräne als Vorboten einer neuen Epoche. Hier ist Wachstum mehr als eine statistische Zahl - es ist förmlich mit
Händen zu greifen. Was in China passiert, geht über blosses Wirtschaftswachstum hinaus. Es widerspiegelt den menschlichen
Drang, neuen Wohlstand, Wachstum und Macht in möglichst hohen Gebäuden zum Ausdruck zu bringen.
Von den alten Pyramiden der Maya und der Ägypter bis hin zur Skyline von New York - Grösse und Höhe stehen von jeher für wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Einfluss. Sie dokumentieren eindrucksvoll das Können des Erbauers und die Finanzkraft des Bauherrn.
Der Glaube an die eigenen Möglichkeiten sowie der architektonische und technologische Fortschritt mündeten zu Beginn des 20.
Jahrhunderts in die ersten bedeutenden Phasen des Wolkenkratzerbaus in den USA. Gleichzeitig stieg das Land zur Weltmacht
auf.
Heute sind Städte wie Dubai und Schanghai gestandene Grössen, wenn es um Wolkenkratzer geht. Der Bionic Tower in Schanghai
soll als erstes Gebäude über einen Kilometer hoch werden. Wird er nach seiner Vollendung Chinas Status als wichtige Wirtschaftsmacht
verkörpern? Ein jährliches Wachstum von mindestens zehn Prozent, 1,3 Milliarden Einwohner sowie die weltweit grössten Devisenreserven
sprechen dafür. Doch Chinas Wachstum ist keine isolierte Entwicklung, sondern beruht massgeblich auf der Globalisierung.
"Globalisierung" ist ein moderner Begriff, doch die Idee dahinter ist nicht neu. Vor fast 200 Jahren schwamm David Ricardo,
einer der einflussreichsten Vertreter der klassischen Ökonomie, mit seinen Überlegungen zum Aussenhandel gegen den Strom.
Während sein Heimatland England wieder vermehrt auf nationale Grenzen setzte, trat Ricardo für den freien Güteraustausch
ein. Seine Theorie der komparativen Kostenvorteile prägt seither die Debatte über den Freihandel. Der Kerngedanke seiner Theorie:
Der Aussenhandel zwischen zwei Staaten lohnt sich für beide selbst dann, wenn ein Land alle Güter günstiger produzieren kann
als das andere. Der US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson erläuterte diesen Gedanken anhand eines einleuchtenden Beispiels:
Ein Topanwalt ist zugleich Weltmeister im Maschinenschreiben. Dennoch wird er für die Schreibarbeit jemanden einstellen,
um die dadurch frei werdende Zeit für die Rechtsberatung einzusetzen.
Skeptiker weisen schnell auf die Gefahren einer zu starken Spezialisierung hin. Der Welthandel biete keine fairen Voraussetzungen,
wird argumentiert. Dennoch hat die Globalisierung das Wirtschaftswachstum der Welt als Ganzes gefördert. In vielen Fällen
beruhte das Wachstum auf einem Phänomen, das der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter «schöpferische Zerstörung" nannte.
Der Dow Jones Industrials (DJIA) und die US-Wirtschaft illustrieren dieses Konzept. General Electric ist als einziges von
insgesamt zwölf Unternehmen, die bei der Gründung des DJIA 1896 im Index vertreten waren, auch heute noch darin zu finden.
Die anderen Gesellschaften, beispielsweise American Cotton Oil oder American Tobacco, sind verschwunden oder wurden aufgespalten.
General Motors und Chrysler wurden im Zuge der aufstrebenden Automobilbranche im frühen 20. Jahrhundert in den Index aufgenommen.
Mit der zunehmenden Bedeutung von Technologie, Finanzdienstleistungen und der Unterhaltungsindustrie stiessen IBM (1979),
American Express (1985), JP Morgan und Walt Disney (beide 1991) hinzu. Die Veränderungen innerhalb des DJIA von 1997 widerspiegeln
Schumpeters Idee wohl am besten. Damals ersetzten Hewlett-Packard, Johnson & Johnson, Travelers Group (heute Citigroup)
und Wal-Mart die Unternehmen Bethlehem Steel, Texaco, Westinghouse Electric und Woolworth.
Globalisierung heisst nicht wirtschaftliche Sicherheit für alle. Schöpferische Zerstörung bedeutet, dass Arbeit und Kapital
in Kombination mit Innovation und neuen Produkten zu höheren Einkommen führen können - wenn auch nicht alle davon profitieren.
Dennoch ist dieser Weg die bessere Option, denn anhaltender Protektionismus und wirtschaftliche Isolation haben langfristig
eindeutig eine Verschlechterung der Wirtschaftslage zur Folge, wie der Zusammenbruch der Sowjetunion in der jüngeren Geschichte
gezeigt hat.
Die Internationalisierung verlangt von Volkswirtschaften, Gesellschaften und Unternehmen höhere Flexibilität. Viele Firmen
- auch kleine und mittlere - müssen ihre Grösse und Struktur immer wieder den neuen Gegebenheiten anpassen, um mit der internationalen
Konkurrenz Schritt zu halten. Dies geht oft mit der Entwicklung neuer Produkte und der Erschliessung zusätzlicher Märkte
einher. Dadurch kann die Bereitschaft einer Firma, andere Gesellschaften zu übernehmen, steigen. Umgekehrt kann ein Unternehmen
auch beschliessen, Teile ausserhalb seiner traditionellen Kernkompetenz abzustossen. Dies wiederum begünstigt Fusions- und
Übernahmeaktivitäten.
Nicht nur Kapital und Unternehmen überwinden nationale Grenzen, sondern auch Arbeitnehmer. In Dubai sind die meisten Bauarbeiter
pakistanischer oder indischer Herkunft, während viele Ingenieure und Architekten aus Deutschland oder Amerika stammen. Ob
Bauarbeiter oder Finanzdienstleister, beide orientieren sich am Standort des Arbeitgebers respektive des Kunden. So ist UBS
in vielen Regionen tätig, die derzeit auf der Globalisierungswelle reiten - sei das nun in Asien, im Nahen Osten, in Russland
oder in Südamerika.
Unter anderem hilft UBS den Unternehmen auch, die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes mitzugestalten, wie das Beispiel
von Greentown China Holdings zeigt. Die Aktien der grössten Immobiliengesellschaft auf dem chinesischen Festland sind seit
Juli 2006 in Hongkong kotiert - UBS begleitete den Börsengang.