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Analysten & AktionäreGeschäftsberichte 2005
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Langfristige Aussichten

In den nächsten zehn Jahren wird für die Weltwirtschaft mit einem jährlichen Wachstum von rund 3,5% gerechnet. Dank des globalen Wettbewerbs, der Verbreitung neuer Technologien und des Bevölkerungswachstums wird die Produktivität weiter steigen. Der Effekt könnte etwas gedämpft werden durch das sich verlangsamende Beschäftigungswachstum, das auf die Verschiebung der demogra?schen Verhältnisse in manchen Ländern zurückzuführen ist.

Mit den höchsten Wachstumsraten rechnen wir für die Schwellenmärkte und speziell für Asien, gefolgt von Osteuropa, Lateinamerika und Nahost. In Nordamerika und Westeuropa dürfte das Wachstum zwar niedriger ausfallen als im asiatischen Raum, die absolute BIP-Zunahme sollte gemessen an der Grösse der Volkswirtschaft aber höher liegen. Daran zeigt sich, wie wichtig es in unserer Branche ist, sowohl in den USA als auch in Westeuropa auf breiter Front präsent zu sein.

Die Finanzdienstleistungsbranche wächst seit Jahren dynamischer als die Wirtschaft. Entscheidend für das weitere Gedeihen des Finanzsektors werden innovative Finanzprodukte bleiben, die eng an die Weiterentwicklung der Wertpapiermärkte gekoppelt sind. In den kommenden Jahrzehnten dürften verschiedene spezifische Faktoren die Branchenentwicklung bestimmen:

– Liberalisierung und Deregulierung im Finanzwesen

– Vermögensakkumulation

– Altersvorsorge

– Verbriefung

– Trend hin zur Aktie

– alternative Anlagen

– Unternehmensaktivitäten / -restrukturierungen

– Energie und Rohstoffe

Die Begriffe und ihre jeweiligen Auswirkungen auf unsere Tätigkeit werden nachfolgend beschrieben.

Liberalisierung und Deregulierung im Finanzwesen

Die Finanzbranche verdankt ihre rasche Expansion dem Liberalisierungs- und Deregulierungstrend der letzten Jahrzehnte, der eine deutliche Verbesserung der Qualität und des Angebots der Finanzdienstleistungen ermöglichte. Die Prozesse sind in zahlreichen Ländern bereits weit fortgeschritten. In gewissen Märkten wie beispielsweise den USA ist daher mit keiner weiteren wesentlichen Deregulierung zu rechnen. Vielmehr werden in den USA wie auch in einigen anderen Industrieländern neue Gesetze erlassen, was die Geschäftskosten verteuert. Denkbar ist eine fortgesetzte Liberalisierung hingegen in Schwellenländern, deren Binnenmärkte nach wie vor noch relativ stark geschützt sind. Diese Staaten entdecken die Deregulierung gerade als Mittel, um ihre Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere gegenüber Industrieländern – zu stärken. Die von der Welthandelsorganisation (WTO) im Rahmen der Doha-Runde geführten Verhandlungen über den multilateralen Handel sollen einige dieser Fragen klären, kommen jedoch nur langsam voran.

Eine weitere Liberalisierung dürfte im Allgemeinen den Investmentbanken und Wertschriftenhäusern zugute kommen. Diese sind so positioniert, dass sie von einer stärkeren Öffnung einzelner lokaler Kapitalmärkte profitieren werden. Die Vorteile für Vermögensverwalter mit einer globalen Plattform dürften in der Erleichterung des internationalen Anlagefondsgeschäfts liegen.

Vermögensakkumulation

In zahlreichen Volkswirtschaften findet eine spürbare Verlagerung von der arbeitsintensiven Produktion zur kapitalintensiven Tätigkeit statt. Diese Entwicklung lässt einen deutlichen Trend hin zur individuellen Vermögensakkumulation erkennen, der im nächsten Jahrzehnt insbesondere in Asien anhalten dürfte. Die Vermögen werden in den Industrieländern voraussichtlich schneller wachsen als das BIP. Hinzu kommt, dass das Verhältnis zwischen Vermögen und BIP in den Schwellenländern derzeit recht niedrig ist und unter anderem aufgrund allgemein höherer Sparquoten ansteigen dürfte. Diese Trends werden den weltweiten Vermögensverwaltern Auftrieb verleihen. Auch die Asset Manager werden davon profitieren, denn die privaten Vermögen gelten als entscheidender Faktor für das Wachstum institutioneller Gelder. Diese Entwicklung dürfte sich ebenso für Investmentbanken und Wertschriftenhäuser als Vorteil erweisen, da sowohl der Grad der Kapitalisierung an den Finanzmärkten als auch die Handelsvolumen steigen werden.

Altersvorsorge

In den kommenden Jahrzehnten werden sich die meisten Industrienationen mit einer markanten Verschiebung der demografischen Verhältnisse auseinander setzen müssen. Aus diesem Grund fassen Regierungen auf der ganzen Welt Reformen der Vorsorgesysteme ins Auge. In Kontinentaleuropa und Japan, wo die Vorsorgesysteme vorwiegend auf dem Umlageverfahren basieren, werden Reformen besonders dringlich. Zwar wird jeder Staat individuell über regulatorische Massnahmen entscheiden, doch gehen wir grundsätzlich davon aus, dass eine schrittweise Verlagerung von den öffentlichen mittels Umlageverfahren finanzierten Vorsorgesystemen hin zu privaten – mittels Kapitaldeckungsverfahren finanzierten – Systemen statt?nden wird.

Neben der Investment-Banking- und der Wealth-Management-Branche wird vor allem der institutionelle Vermögensverwaltungssektor deutlich von dieser Entwicklung profitieren. Sein Schwerpunkt wird nicht mehr allein auf der Anlageberatung und der Betreuung von Vorsorgeplänen für Kunden liegen, sondern auch auf aktuellen Fragen, mit denen sich bestehende und potenzielle Kunden befassen müssen. Im Zentrum stehen insbesondere Firmenpensionskassen mit Unterdeckung.

Investmentbanken bieten Pensionskassen seit kurzem Beratungsdienstleistungen im Bereich Liability-Led Asset Management Advice an, wo Derivate und strukturierte Produkte zum Einsatz kommen. Im Wealth Management dürften sich die aktuellen Trends auf die Nachfrage nach Vorsorgeprodukten auswirken. Ein Mensch geht durch verschiedene Lebensphasen. Im Alter zwischen vierzig und fünfzig Jahren steht in der Regel der Vermögensaufbau im Vordergrund. Danach kommt es häufig zu einem Gesinnungswandel, und der Schwerpunkt von Privatkunden verschiebt sich vom Aufbau zur Erhaltung des Vermögens. Um den Ruhestand für diese Personen vorzubereiten, sind geeignete Produkte und Dienstleistungen nötig. Deren Bereitstellung eröffnet der Finanzdienstleistungsbranche bedeutende Wachstumschancen.

Verbriefung

Der Wandel, den die Finanzdienstleister in den letzten zehn bis zwanzig Jahren durchmachten, beinhaltete auch eine zunehmende Abkehr vom klassischen Kreditgeschäft und eine gleichzeitig wachsende Bedeutung des Wertschriftenhandels und der Finanzmärkte. So sind Unternehmen nun oft in der Lage, die benötigten Finanzmittel direkt an den Kapitalmärkten zu beschaffen. Als Folge davon ist der Markt für Unternehmensanleihen mit den Jahren gewachsen und hat das klassische Kreditgeschäft der Banken verdrängt. Parallel dazu förderte die Zunahme von Bankaktiven in Form von Krediten, Hypotheken und anderen Forderungen die Verbriefung solcher Aktiven, was wiederum die Volumen der forderungsbesicherten Wertpapiere ansteigen liess.

Diese Trends werden voraussichtlich anhalten. Kontinentaleuropa schliesst im Bereich Verbriefung Schritt für Schritt zu den USA auf. In zahlreichen Schwellenländern sind die Märkte für Unternehmensanleihen noch unterentwickelt, wachsen aber rasant. Die Finanzmarktteilnehmer werden immer besser in der Lage sein, das Gegenparteienrisiko zu beurteilen, was eine Finanzierung an den Wertpapiermärkten erleichtert. Da sich zudem immer mehr Unternehmen an der Börse kotieren lassen, müssen sie auch die mit der Kotierung verbundenen Transparenzstandards und damit die Anforderungen für die Emission von Schuldpapieren einhalten.

Trend hin zur Aktie

In den letzten zehn Jahren erhöhte sich die Marktkapitalisierung an den weltweiten Aktienmärkten auf US-Dollar-Basis jährlich um über 10%. Institutionelle und private Marktteilnehmer werden tendenziell einen grösseren Anteil ihrer Vermögenswerte in Aktienprodukte investieren. Darin zeigt sich, wie sich die Kontrolle von Vermögenswerten vom Staat und von Privaten auf den öffentlichen Markt verlagert. Auch die Unternehmen werden sich zunehmend über den öffentlichen Aktienmarkt finanzieren. Die zugrunde liegenden Trends, die auf eine immer wichtigere Rolle der Finanzierung über den Aktienmarkt und von Aktienanlagen hindeuten, dürften bestehen bleiben. In Westeuropa ist im Zuge der fortschreitenden Integration der Finanzmärkte mit überdurchschnittlichem Wachstum zu rechnen. Noch grösser ist das Wachstumspotenzial in den Schwellenländern, da sie im Verhältnis zum BIP eine relativ niedrige Aktienmarktkapitalisierung aufweisen. Neben dem Investment Banking und Wertschriftenhandel ergeben sich auch für private und institutionelle Vermögensverwalter solide Wachstumschancen, da die Vermögenswerte zunehmend in Kategorien im höheren Margensegment umgeschichtet werden. Überdies ist damit zu rechnen, dass die weitere Standardisierung der Broker-Dienste kleinere Anbieter veranlassen wird, diese Tätigkeit an grössere Mitbewerber auszulagern.

Alternative Anlagen

In den letzten zwanzig Jahren hat die Nachfrage nach alternativen Anlagen – also anderen Investmentkategorien als Geldmarktanlagen, Anleihen oder börsenkotierten Aktien – spürbar zugenommen. Am stärksten war dies in Nordamerika zu beobachten. Dort haben sich Immobilien und Private Equity seit den frühen 1980er-Jahren zu zentralen Portfoliobestandteilen entwickelt, und die einst als Nebenprodukt betrachteten Hedge Funds geniessen weltweit eine immer breitere Akzeptanz. Eine steigende Zahl von Investoren nutzt alternative Anlagen zur Renditeoptimierung und besseren Portfoliodiversifikation. So entstehen laufend neue Kategorien von alternativen Anlagen. Als Folge davon verzeichnen die Anbieter dieser Vermögensklassen eine zunehmende Nachfrage nach komplexen Produkten. Diese reichen von Börsengängen und Leveraged Finance für Private-Equity-Unternehmen bis zu Prime-Brokerage- und administrativen Dienstleistungen für Hedge Funds.

Unternehmensaktivitäten / -restrukturierungen

Durch das Streben nach Wachstum, die Liberalisierung des Handels und die technologischen Fortschritte wird sich der globale Wettbewerb, dem die Unternehmen ausgesetzt sind, weiter verschärfen. So sind sie gezwungen, sich auf Tätigkeiten zu konzentrieren, in denen sie wirklich wettbewerbsstark sind. Gleichzeitig erhöhen beispielsweise gesetzliche Einschränkungen die Komplexität der Geschäftstätigkeit. Die langfristigen Trends deuten auf eine wachsende Nachfrage nach Beratungsdiensten bei M&A-Transaktionen sowie Restrukturierungen hin.

Energie und Rohstoffe

Die Produktionskapazitäten für Energie und Rohstoffe reichen derzeit nicht aus, um die wachsende weltweite Nachfrage – vor allem seitens der Schwellenländer – zu befriedigen. So hat sich der Fokus auf die effiziente Zuteilung der Rohstoffe verlagert, ähnlich der gezielten Ressourcenallokation an den Kapitalmärkten. Die Energie- und Rohstoffmärkte werden den Finanzmärkten je länger je ähnlicher. Finanzunternehmen kaufen und verkaufen Futures oder schliessen ausserbörslich Finanzkontrakte (Derivate) mit anderen Marktteilnehmern ab. Da ihre Erfahrung an den Kapitalmärkten voll zum Tragen kommt, können Finanzunternehmen vom Bedürfnis der Kunden nach immer ausgefeilteren Produkten und Dienstleistungen im Rohstoffbereich profitieren.

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