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Gefühltes Risiko
Gefühltes Risiko

Gefühltes Risiko

Was wäre Ihnen lieber: 3000 Franken auf sicher oder ein Glücksspiel, bei dem Sie mit einer 80-prozentigen Chance 4000 Franken gewinnen könnten? Klar: Die meisten bevorzugen die sicheren 3000 Franken. Andere Frage: Sie müssten sich zwischen einem sicheren Verlust von 3000 Franken entscheiden oder einem Spiel, bei dem Sie mit einer Chance von 20% nichts und mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% 4000 Franken verlieren könnten – wären Sie dann eher geneigt zu spielen?

Genau so würden die meisten Menschen entscheiden und sich damit in den Augen der klassischen ökonomischen Theorie irrational verhalten. Sie wählen spontan die Variante mit dem – gemäss Statistik schlechteren Erwartungswert, nämlich den tieferen Gewinn von 3000 respektive den höheren erwarteten Verlust von 3200 Franken. Sie sind zudem inkonsistent in ihrer Risikofreude, nämlich risikoavers, wenn ein sicherer Gewinn winkt, und risikofreudig, wenn es etwas zu verlieren gibt. Ist das jetzt in den Augen der Ökonomen einfach «Pech für die Realität»?

Renate Schubert, Ökonomieprofessorin und Leiterin des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), lacht: «Gott sei Dank sind wir in der ökonomischen Lehre und Forschung davon weggekommen, ausschliesslich darüber nachzudenken, wie Menschen sich verhalten könnten. Wir erforschen das inzwischen genauer, etwa in Experimenten oder mittels Befragungen. Schliesslich betrachtet Ökonomie ja die Folgen menschlichen Verhaltens – und da kann man sich nicht einfach mit ausgedachtem Verhalten zufrieden geben. Weil wir Ökonomen mit unseren herkömmlichen Theorien nicht alle Phänomene erklären können, arbeiten wir vor allem mit Psychologen zusammen und nehmen Bezug auf deren Erkenntnisse.» Für die Integration der beiden Wissenschaften erhielt der Psychologe Daniel Kahneman 2002 den Nobelpreis für Ökonomie. Seine Prospekttheorie, die er in den Siebzigerjahren zusammen mit Amos Tversky entwickelte, erklärt basierend auf empirischen Untersuchungen, warum Menschen Risiken anders beurteilen als der emotionslose Homo oeconomicus. Gerade bei finanziellen Entscheidungen ist das kein Wunder, denn hier kommen grundlegende menschliche Gefühle ins Spiel wie etwa das Bedürfnis nach Sicherheit, Selbstachtung, Unabhängigkeit und Anerkennung.

Gefühltes Risiko

Menschen bewerten unsichere Ereignisse intuitiv und selten entsprechend den Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung. «Darin liegt bei finanziellen Entscheidungen genau das Problem», erklärt Renate Schubert. «Das wahre Risiko, also die Höhe eines künftigen Verlustes und die Wahrscheinlichkeit dafür, sind meistens unbekannt. Labor-Experimente können wir so konstruieren, dass der Versuchsleiter die wahren Risiken kennt.» In diesen Experimenten stelle man fest, dass sich die von den Testpersonen wahrgenommenen Risiken von den echten, objektiven Risiken unterscheiden: «Kleine Wahrscheinlichkeiten für Gewinne oder Verluste werden in der Regel überschätzt und grosse Wahrscheinlichkeiten eher unterschätzt. » Gewinne und Verluste an sich werden ebenfalls unterschiedlich wahrgenommen: «Verluste werden als grösser angesehen, als sie tatsächlich sind, während Gewinne als geringer eingeschätzt werden.»

Übersteigerter Optimismus, in der Fachsprache «Overconfidence» genannt, ist eine der vielen Neigungen, die man bei risikoreichen Entscheidungen beobachten kann. Renate Schubert: «Das bedeutet, dass Menschen ihr Wissen oder ihre Fähigkeit in bestimmten Bereichen überschätzen. Sie tendieren dazu, die Wahrscheinlichkeit für positive Ergebnisse im Vergleich zur Realität zu hoch anzusetzen. Dadurch werden Entscheidungen schnell getroffen, aber auch genauso schnell wieder geändert – Anlageportfolios werden bei Overconfidence häufig umgeschichtet und Titel immer wieder gehandelt. Und das, obwohl dabei Transaktionskosten anfallen, die den Nettoertrag eines Investors senken. Overconfidence sorgt also für Bewegung auf den Finanzmärkten – in der Regel für mehr Bewegung, als es ohne sie geben würde.»

Gefühltes Risiko

Solche Verhaltensweisen sind nicht bei jedem gleich stark ausgeprägt und fallen bei verschiedenen Personengruppen in unterschiedlichem Ausmass an. Beispielsweise gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen. «Frauen neigen weniger zu Overconfidence, das belegen diverse Studien», sagt Renate Schubert. «In einem Experiment haben wir ausserdem festgestellt, dass Frauen etwas als besonders riskant wahrnehmen, wenn sie das Gefühl haben, zu wenig darüber zu wissen. Je mehr Informationen man ihnen gibt – über die künftige Performance von Investitionen, über die Wahrscheinlichkeit von künftigen Gewinnen oder Verlusten –, desto risikofreudiger werden sie. Bei Männern ist es genau das Gegenteil: Anfänglich sind sie spielfreudiger als Frauen und werden durch mehr Informationen tendenziell risikoscheuer.»

Das Verständnis dafür, was Investorenverhalten motiviert und Angebot und Nachfrage auf den Finanzmärkten bewegt, ist für die Finanzbranche ebenso interessant wie die Analyse von ökonomischen Fundamentaldaten. Beispielsweise in der Anlageberatung: «Was den Beratungsprozess angeht, muss sich eine Bank fragen: Wer sitzt mir gegenüber? Nur so können Berater den Kunden die für sie jeweils richtige Art von Sicherheit vermitteln – das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Möchte der Kunde oder die Kundin, dass eine kompetente Person die richtige Anlage empfiehlt? Oder will sie oder er möglichst viel eigenes Know-how einbringen? Anlageberatung, die die Kunden nachhaltig zufrieden stellt, darf kein total standardisiertes Produkt sein», erklärt Renate Schubert. «Wichtig ist die Frage nach dem Ergebnis der Beratung – das muss natürlich auch stimmen und zu den wirtschaftlichen Zielsetzungen der Kunden passen. Diese ergeben sich aus den jeweiligen Lebensumständen, die wiederum einen Einfluss darauf haben, wie sicher beziehungsweise risikoreich eine Anlage sein soll.»

Gefühltes Risiko

Wichtig für eine auf Dauer gute Anlageentscheidung ist der Blick auf das Gesamtvermögen oder das Gesamtportfolio. Nobelpreisträger Kahneman sagte in einem Interview mit der US-Zeitschrift Forbes, der Mensch neige dazu, in Gewinnen und Verlusten zu denken. Je mehr man das tue, desto irrationaler und kurzfristiger handle man. Denken im Sinne des Gesamtvermögens hingegen helfe uns, Entscheidungen mittel- bis langfristig auszurichten.

Das Thema ist auch für wirtschaftspolitische Fragen relevant, etwa für die Ausgestaltung privater Altersvorsorge. Renate Schubert: «Frauen haben typischerweise die tieferen Einkommen und Vermögen, gleichzeitig auch die längere Lebenserwartung. Im Zuge der Alterung unserer Gesellschaft könnte es zum Problem werden, dass Frauen zu weniger riskanten und damit langfristig ertragsärmeren Portfolios tendieren. Da stellt sich die Frage, wie man Frauen motivieren könnte, ihre Ersparnisse so anzulegen, dass sie höhere Erträge abwerfen.»

Dass sich institutionelle Investoren und Unternehmen bei Entscheidungen unter Unsicherheit sehr ähnlich verhalten können wie Privatpersonen, erstaunt Schubert nicht: «Schliesslich stehen dahinter auch wieder Individuen, die Entscheidungen treffen.» Risiken evaluieren und finanzielle Entscheide treffen ist für eine Bank Teil des täglichen Geschäfts. Wesentlich sei dabei eine gute Risiko-Philosophie, so Renate Schubert. «Es ist entscheidend, dass man sich mit dem Thema Risiko umfassend, auf allen Ebenen beschäftigt und dass man offen damit umgeht.» Transparenz also, nach innen und nach aussen. «In der wissenschaftlichen Literatur findet man immer wieder den Satz: Risiko ist ein Konstrukt. Man muss es also irgendwie modellieren, bestimmen und berechnen – Risiko ist nicht einfach da. Dadurch ergibt sich natürlich ein Spielraum für Einschätzungen. Die zugrunde liegenden Annahmen und die getroffenen Entscheide transparent zu machen, ist sehr wichtig.» Ausserdem müsse man die getroffenen Entscheidungen und deren Konsequenzen im Nachhinein analysieren. Das helfe Unternehmen, künftig die richtigen Anreize zu setzen und Vorgänge rational zu gestalten. «Für den Umgang mit möglichen Interessenskon- flikten ist es wichtig, dass es feste Spielregeln gibt, einen klaren Kodex, an dem sich die betroffenen Personen orientieren können.»

Risiko verstehen - eine Kernkompetenz

Wenn Sie als privater Investor vor einem Anlageentscheid stehen, ist es wichtig, dass Sie Ihr Risikoprofil kennen. Als Finanzberater sehen wir unsere Rolle darin, Ihre persönlichen Lebensumstände und Ziele zu verstehen und darauf aufbauend eine Finanzlösung zu erarbeiten, die auf Ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Das Eingehen von Risiken liegt auch in der Natur des Finanzdienstleistungsgeschäfts selbst. Als Bank müssen wir Kredit-, Markt- und operationelle Risiken im Griff haben, um für Aktionäre attraktive Renditen zu erzielen. Übergeordnetes Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Rendite zu erreichen. Die Identifikation und Kontrolle von Risiken ist daher fester Bestandteil unserer Führungsprozesse und Unternehmensplanung. Die Verantwortung beginnt beim Verwaltungsrat. Dieser definiert die Risikogrundsätze von UBS und bestimmt unsere Risikokapazität – also das Mass an Risiko, das wir basierend auf unserer Ertragskraft tragen können.

Risikogrundsätze umzusetzen, Risiken zu verantworten und aktiv zu bewirtschaften liegt in der Zuständigkeit der Konzernleitung. Der Group Chief Risk Officer trägt die Gesamtverantwortung für die Kontrolle von Kredit-, Markt- und operationellen Risiken. UBS-weite unabhängige Kontrollprozesse und -strukturen gewährleisten die objektive Prüfung von Aktivitäten, die mit Risiken behaftet sind. Dabei helfen sie, unmittelbare Anreize zur Gewinnsteigerung gegen die langfristigen Interessen von UBS abzuwägen.

Question to the Group Chief Executive Officer

What are the main risks, or challenges that UBS might face in the future?

Peter Wuffli about main risks or challenges

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