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Beim Betreten des Büros von Barry Lam, CEO von Quanta, wähnt sich
der Besucher zunächst in einem Kunstmuseum. Tatsächlich aber befindet er sich am Hauptsitz des weltweit führenden Notebook-Herstellers in Taipeh.
Die firmeneigene Kunstsammlung zeugt von Barry Lams grosser Bewunderung für den chinesischen Künstler Chang Dai-chien. Der Maler
mit seinem umfangreichen Werk zählt zu den bedeutendsten Vertretern
der asiatischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Da er mit einer Vielzahl
von Stilrichtungen experimentierte, wird er oft auch als «chinesischer
Picasso» bezeichnet. «Er verstand es, von anderen grossen
Künstlern zu lernen und gleichzeitig seinen eigenen Stil zu entwickeln»
erklärt Barry Lam.
Zu seinen Lieblingsgemälden von Chang Dai-chien zählt «Dawning
Light in Autumn Gorges». Bei diesem Werk dominieren dunkelgrüne
Tuschespritzer – mit dieser Maltechnik gelingt es dem Künstler, das
Abstrakte mit dem Konkreten zu verbinden. Genau diese überlagerten
Schichten sind es, die Barry Lam so faszinieren.
Der CEO von Quanta besitzt mehr als tausend Kunstwerke, darunter
250 Arbeiten von Chang Dai-chien. Was bringt ihn dazu, Kunst zu sammeln?
«Die Suche nach der inneren Ruhe. Die moderne Technologie ist
kurzlebig, Kunst hingegen überdauert die Zeit.» Für Barry Lam kommt
in der Kunst das Leben in seiner ganzen Fülle und Klarheit zum Ausdruck. «Versteht man die Kunst eines bestimmten Landes, so versteht man
auch, wie die Menschen dort leben und denken. Diese Kenntnisse sind
unverzichtbar für jeden Manager, der die Produkte seiner Firma in verschiedenen Märkten verkaufen will.»
Lam weiss, wovon er spricht. Nach
seiner Zeit bei Kimpo, einem 1973
mit Studienkollegen gegründeten
Unternehmen, hätte er problemlos als «König der Taschenrechner» in
Rente gehen können. Doch in den Achtzigerjahren wandte er sich neuen
Gebieten zu. Obwohl die Notebook- und die PC-Industrie noch in
den Kinderschuhen steckten, war Barry Lam vom Potenzial der portablen
Computer mehr und mehr überzeugt. «Wie jeder andere persönliche Gegenstand musste ein Computer mobil sein und seinem
Benutzer die weltweite Kommunikation ermöglichen.»
Nach Lams Vorstellung musste sich das Geschäft mit Notebooks unweigerlich
zu einem grossen globalen Konsumgütermarkt entwickeln. Die meisten Experten dagegen beurteilten das Marktpotenzial äusserst
skeptisch. Viele glaubten, dass es portable Computer in puncto Vielseitigkeit
und Leistung niemals mit Desktop-Geräten aufnehmen könnten.
Davon unbeirrt, gründete Barry Lam 1988 die Firma Quanta.
Dass Komponenten zur damaligen Zeit praktisch nur für Schreibtisch-
Computer entworfen wurden, erwies sich als eines der grössten
Hindernisse für das junge Unternehmen. Sowohl die Festplatten als
auch die Monitore waren zu gross, und auch die Prozessoren passten
nicht. Dennoch blieb Barry Lam seiner Vision treu. «Ich glaubte fest an
die Zukunft der Notebooks. Mein Beziehungsnetz half mir, den eingeschlagenen
Weg fortzusetzen.»
Lam positionierte Quanta als so genannten Original Design Manufacturer
(ODM). Mit anderen Worten: Er belieferte Unternehmen, die
seine Notebooks dann unter ihrer eigenen Marke vertrieben. Dies war ein
Schlüsselentscheid – denn er ebnete Barry Lam den Weg zum späteren Erfolg.
«Der taiwanische Markt ist winzig. Es war die einzige Möglichkeit für uns, Skaleneffekte zu erzielen und den Weltmarkt zu erobern», erläutert er.
Innerhalb weniger Jahre fand Barry Lams Vision immer mehr Anhänger
in der Branche. 1994 brachte Intel einen speziellen Notebook-Prozessor
namens Coppermine auf den Markt. Zwei Jahre später lancierte
Quanta mit dem MP5 sein erstes Multimedia-Notebook. 1998 folgte
mit dem Dell Latitude C600 die Krönung. Es war das erste Modell in
der Geschichte des Notebooks, von dem mehr als eine Million Stück abgesetzt
wurden. Quanta hatte sein Ziel erreicht und war nun die weltweite Nummer eins.
Heute stammt ein Viertel aller weltweit produzierten Notebooks von
Quanta. Zu den Kunden des Unternehmens zählen die zehn wichtigsten
Branchenvertreter, darunter Dell, Apple, Toshiba und Hewlett-
Packard.
Über die Jahre hat Barry Lams Unternehmen diverse Komponentenhersteller
übernommen. Obwohl Quanta der führende ODM-Anbieter
im globalen Notebook-Markt ist, drängt sich das Unternehmen aus
strategischen Überlegungen nicht ins Rampenlicht. «Unsere Kunden vertreiben
die Produkte unter ihrer eigenen Marke, weshalb wir uns im Hintergrund halten», erklärt er.
Lam richtet seinen Blick stets auf die Zukunft. Er ist davon überzeugt,
dass sich das ODM-Modell auch auf die Segmente Geschäftscomputer
und LCD-Fernsehbildschirme anwenden lässt. Die Tatsache, dass
beide Branchen von etablierten Anbietern dominiert werden, beeindruckt
ihn wenig. «Wir haben immer wieder Innovationskraft bewiesen
und können kostengünstig produzieren.»
In Barry Lams Welt von morgen funktioniert das Notebook als «virtueller
PC», wie er es nennt. Genauer: Es ist mit einem zentralen Rechner
verbunden und braucht nicht mehr alle Daten zu speichern. Es wäre dann einfach eine Schnittstelle zwischen Benutzer und Daten. Der CEO von Quanta will sein Geschäft zudem auf Mobiltelefone ausdehnen, denn diese können Notebooks
aufidealeWeiseergänzen.«Die Möglichkeiten mobiler Geräte sind fast
grenzenlos. Das Abfragen einer Internetdatenbank via Handy ist nur ein
Beispiel.»
Die Gedanken des «Notebook-Königs» kreisen stets darum, wie er
Quanta zu weiterem Wachstum verhelfen kann. Aber selbst wenn Barry
Lam seiner Kreativität freien Lauf lässt, bleibt er stets ein praktisch denkender Ingenieur. Er schmunzelt, wenn er seinen Spitznamen hört – «hei shou», eine Bezeichnung für jemanden, der keine Angst hat, sich die Hände schmutzig zu
machen. So sieht er sich selbst und seine Entwickler: «Wir sind keine
Wissenschafter. Wir wollen, dass unsere Produkte funktionieren – und
zwar so, wie es der Anwender will.»
Mit seiner Laufbahn als Entwickler kann Lam in der Tat zufrieden sein.
Er erinnert sich an eine Episode während einer Flugreise: «Mir fiel ein
Passagier auf, der ein von Quanta hergestelltes Notebook benutzte. Ich
fragte ihn, was er davon halte, und er meinte, es sei fantastisch. Dies war
für mich der handfeste Beweis, dass ich als Unternehmer die richtigen
Entscheidungen getroffen hatte.»
Trotz seines Erfolgs hat Lam noch immer einen unerfüllten Traum.
«Wir verkaufen so viele Notebooks überall auf der Welt. Gerne würde
ich mit ebenso vielen Menschen meine Liebe für die Kultur und die
Kunst teilen. Besonders am Herzen liegt mir Taiwan, wo das Interesse
für Kultur unterentwickelt ist. Eines Tages möchte ich hier ein Museum
eröffnen und meine Privatsammlung darin unterbringen.»
Zur Finanzierung eines internationalen Zentrums für Kunst in Taipeh
hat Barry Lam zudem die Quanta Educational Foundation gegründet.
«Kultur verändert die Menschen, ihre Denk- und Verhaltensweise.
Mehr Wohlstand allein macht ein Land noch nicht sicherer. Es braucht
auch mehr Kultur», ist er überzeugt.
In kulturellen Belangen kennt Lam keine geografischen Grenzen. Er
sieht sich selbst als Vermittler zwischen der asiatischen und der westlichen
Kultur. Geboren in Schanghai als Lin Pai-Li, wuchs er in Hongkong
auf und schloss sein Studium in Taiwan ab. Die Technologie in
seinem Unternehmen bezeichnet er als westlich. Der zwischenmenschliche
Umgang ist chinesisch geprägt. «Was technologischen Wandel angeht,
sind wir offensiv – wenn es um persönliche Beziehungen geht, sind
wir gütig. Die westliche und die asiatische Kultur ergänzen einander
bestens», resümiert er.
Er zitiert Konfuzius, sein spirituelles Vorbild: «Für ein harmonisches
Leben braucht der Mensch drei Eigenschaften: Weisheit, Güte und
Mut.»
| Unternehmergeist |
Der Unternehmergeist innerhalb eines
Konzerns wie UBS kann nie gross genug
sein, denn er fördert jene Kreativität und
Innovationskraft, die notwendig sind,
um Wachstumschancen konsequent
nutzen zu können. Deshalb sind wir der
Ansicht, dass jeder einzelne Mitarbeiter
bei UBS in seinem Denken und Handeln
unternehmerisch sein kann und darf.
Sei es die Kundenberatung, die Leitung
einer Niederlassung, die Durchführung
von M&A-Transaktionen, der Handel
oder die Unterstützung anderer Einheiten
– jede Aufgabe ist gleich wichtig
für unseren Erfolg. Unsere Mitarbeiter
müssen Entscheidungen treffen, Risiken
eingehen und Verantwortung tragen.
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